Drucken wie gelogen von Markus Wilhelm
 
 
 
 
 
 
 
 

Standard, 28. Jänner 1991:
"Besonders gefährdet sind jetzt die Kormorane - wenn man sie nicht fängt und säubert, verenden sie"
Der Standard / Die Zeitung für Leser
 

Kleine Zeitung, 28. Jänner 1991:
"Öko-Katastrophe im Golf: Das Öl verklebt die Federn der Wasservögel"
Die neue Kleine / Wir machen unsere eigene Zeitung

AZ, 28. Jänner 1991:
"Meer am Golf: >Leben für Jahrzehnte zerstört<"
AZ / Der bessere Kopf oder Hier weht ein frischer Wind

Vorarlberger Nachrichten, 28. Jänner 1991:
"Hunderte, Tausende Vögel sterben einen langsamen grausamen Tod."
Vorarlberger Nachrichten / Wir schärfen den Blick

Kurier, 28. Jänner 1991:
"Der >Ölpest-Terror<, zu dem Diktator Saddam Hussein im Golfkrieg ausholt, droht die schlimmste Umwelt-Katastrophe dieses Jahrhunderts zu werden."
Kurier / Wo mans ungeschminkt erfährt

Salzburger Nachrichten, 28. Jänner 1991:
"Tier- und Pflanzenwelt im Golf auf Jahrzehnte vernichtet"
Salzburger Nachrichten / Qualität für kritische Leser

Tiroler Tageszeitung, 29. Jänner 1991
"Für die Tiere im und am Persischen Golf gibt es kaum Rettungschancen."
Tiroler Tageszeitung / unabhängig - objektiv - bodenständig

Presse, 28. Jänner 1991:
"Nun gehört auch die Umwelt zu den Opfern des Golfkrieges. Das Bild zeigt einen Kormoran, dessen Gefieder mit Öl verklebt ist."
Die Presse / Der tägliche Vorsprung

Volksstimme, 27. Jänner 1991:
"Ölüberzogener Schwimmvogel im Persischen Golf."
Volksstimme / Die linke Tageszeitung

Neue Zeit, 27. Jänner 1991:
"Ein Vogel versucht durch den Öl-Teppich zu schwimmen."
Neue Zeit / Die andere Zeitung

Kleine Zeitung, 27. Jänner 1991:
Die ökologische Katastrophe bahnt sich an: Ein Vogel hat sich im Ölteppich gefangen"
Kleine Zeitung / Die Kleine ist wie keine
 
 
 

Nicht um eine "Ölpest" (Standard) bzw. "Ölpest" (Kleine Zeitung) bzw. "Ölpest" (AZ) bzw. "Ölpest" (Vorarlberger Nachrichten) bzw. "Ölpest" (Kurier) bzw. "Ölpest" (Salzburger Nachrichten) bzw. "Ölpest" (Tiroler Tageszeitung) bzw. "Ölpest" (Presse) bzw. "Ölpest" (Volksstimme) bzw. "Ölpest" (Neue Zeit) bzw. "Ölpest" (Kärntner Tageszeitung) bzw. "Ölpest" (Neues Volksblatt) bzw. "Ölpest" (Kronenzeitung) bzw. "Ölpest" (Oberösterreichische Nachrichten) bzw. "Ölpest" (Profil) bzw. "Ölpest" (Wochenpresse) handelt sichs da, sondern um eine Druckerschwärze-Pest!
Einzig die Neue Tiroler Zeitung (NTZ) hat nicht von der Ölpest geschrieben. Und hat kein Propagandafoto gebracht. Weil sie ein Jahr vorher eingegangen ist.
Alle diese Fotos sind gelogen. Sie sind aus dem Archiv geholt worden: Als Fernsehen und Zeitungen die Bilder vom im Öl verendenen Kormoran spielten, gab es überhaupt noch kein ausgelaufenes Öl an den Golfküsten. Die amerikanische Agentur Associated Press, nach Aussagen des ehemaligen US-Geheimdienst-Agenten Ph. Agee, eine vom CIA unterwanderte Organisation (daher besser: AssoCIAted Press), hatte sie unters Volk gestreut. (Die Nachrichtenagentur hat das später zugegeben.) Nebenbei: Ein Teil des ausgeflossenen Öls stammt aus einem Ölterminal, das alliierte Kampfflugzeuge in Brand gebombt haben. Die US-"Streitkräfte" haben außerdem zwei Öltanker vor der kuwaitischen Küste beschossen.
Die überall veröffentlichten Aufnahmen stammen in Wahrheit vom Auslaufen des Tankers "Exxon Valdez" vor Alaska im Jahre 1989.

Aber wir wurden nicht von der CIA angeschmiert und nicht von den Agenturen Associated Press oder Reuters (die später nachgezogen hat), sondern von ORF, Kronenzeitung usw.:
Es sei die "schlimmste Katastrophe dieser Art seit je" (TT), eine "Katastrophe wie nach Atom-Krieg. Milliarden droht Hunger." (Krone), die "größte Umweltkatastrophe der Geschichte" (Presse), die "schlimmste Umweltkatastrophe dieses Jahrhunderts" (Kurier).
Die "Umwelt der Golfregion wird über Jahrzehnte zerstört sein" (N. Volksblatt), es wird "zehn oder zwanzig Jahre dauern" (TT), es könnte "Jahrzehnte dauern" (SN), bis sich die Natur erholt, jedenfalls: "In vier Tagen wird der gesamte Golf tot sein." (Kurier)
Für die Erhaltung dieser Presse kann man nur von oben sein. (Josef Cap bekommt fast rinnende Augen, wenn er davon spricht.)
Wir sind für das Eingehen dieser Presse.

Falsche Nachrichten werden in Umlauf gebracht, um den Gegner im Krieg irrezuführen. Diese wurden nicht in Umlauf gesetzt, um den Kriegsgegner irrezuführen, sondern, um die Gegner dieses Krieges irrezuführen. Wir erinnern uns an die niedergemachte Milchpulverfabrik im Irak, die in allen Medien als C-Waffen-Fabrik stand, an die Mörderpanzer (mind. 6000 Getötete), die auf "Bergepanzer" getauft durch Tirol geleitet wurden, an den Schmäh, der Irak sei die viertstärkste Militärmacht der Welt, an das Bombardment einer militärischen Schaltzentrale in Badgad, die in Wahrheit ein Schutzraum für Zivilisten (500 tote Menschen) war - und mehr noch.
Das also ist die Meinungsvielfalt! Und die muß unbedingt erhalten bleiben? Anlügen lassen könnten wir uns doch auch von einer einzigen Zeitung! Oder bestehen Sie unbedingt auf rosa? Unbedingt auf Überformat?

Eine jede Zeitung, die eingeht, ist eine weniger, die uns belügen kann. 1991 war ein gutes Jahr: Mit Volksstimme und AZ sind zwei weggefallen. 1992 ist ein schlechtes: Täglich alles kommt dazu.
Wenn hoffentlich nächstens Die Presse und Der Standard ins Gras beißen, sollten wir das feiern, nicht mit der Regierung betrauern. Sie werden ja auch mit Milliardensummen vom Staat unterstützt, weil sie für ihn so wichtig sind.

Die Nachricht ist im Krieg die stärkste Waffe der Irreführung. Wenn man bereit ist, sich einzugestehen, daß in unserer Gesellschaft Krieg herrscht, ständiger, unaufhörlicher, von denen da oben gegen uns da herunten, wird man verstehen können, daß Nachrichten, die von oben kommen, nicht mitunter falsch sein können, sondern ganz gezielt falsch sein müssen.
Darum geht es in diesem Heft.

Übrigens:
(Faksimile: Kurier, 14.5.91)
 
 
 
 
 
 

Die Stützen des Systems

Daß du keine Wohnung hast, das müssen Medien aufrechterhalten (damit du nicht den Magistrat besetzt, nicht den Bürgermeister würgst). Daß der Schwerverkehr ununterbrochen mitten durch unser Land "ruacht", müssen die Medien möglich machen. Daß eine Aktiengesellschaft uns unsere Bäche aus den Tälern herausreißt, müssen Medien vorbereiten und durchführbar machen. Daß wir in die EG hineingeritten werden (sollen), das muß von den Medien bewerkstelligt werden.

Ohne Geleitschutz durch die Medien würden diese und andere Verbrechen nicht geh'n! Die herrschende Ordnung muß mit allen zu Gebote stehenden Mitteln - das heißt Medien - geschützt werden.

Man stelle sich vor, es gäbe eine Woche keine Zeitungen! Alles bräche zusammen. Kein Mensch glaubte mehr, daß alles so sein muß, wie es ist. Daß es leere und daneben überbelegte Wohnungen, da Löcher und dort Luxus geben muß. Deshalb ist es so wichtig, daß das Radio alle Stunden Nachrichten bringt. "Nachrichten", das Wort ist ja erfreulich deutlich: es wird nach-gerichtet. Wir werden nachjustiert alle 55 Minuten.
Wie ein kaputter Mensch jede Stunde seine Tablette braucht, um nicht zusammenzubrechen, so muß auch diesem ungesunden System, unter dem wir unser Leben zubringen, ununterbrochen geholfen werden.

Die Medien stützen die herrschende Ordnung. Nicht nebenbei oder gar versehentlich, sondern hauptgeschäftlich. Weil sie als Steuerungsinstrumente so ungeheuer wichtig sind, ist Radiohören und Fernsehen kostenlos (außer für diejenigen, die von sich aus Gebühren entrichten). Weil die Bevölkerung keinen Tag aus dem Auge gelassen werden darf, werden in vielen Ländern sonntags Zeitungen zur freien Entnahme ausgehängt. (Und wir, die wir beim Lesen der Blätter betrogen werden, meinen noch, wir seien die Betrüger, wenn wir sie uns holen!) Weil Medien die Oberen vor den Unteren schützen, werden sie mit Unsummen aus unseren Steuergeldern (Presseförderung) gesponsert. (Mehr darüber weiter unten)

Dafür, warum die einen roboten müssen für einen Lohn, der zum Leben nicht reicht, während andere nicht wissen, wie sie es schaffen, das Geld, das ständig hereinkommt, auszugeben, muß ein ganzer Wust von Erklärungen her. Warum die Welt, die allen gehört, nur wenigen gehören soll, dafür müssen stets neue Ausreden geboten werden. Frißt du die eine nicht, gibts hundert andere. Schmeckt dir die vom Standard nicht, probier jene, die die Kronenzeitung verbreitet.

Um die herrschenden Unrechtszustände aufrecht zu erhalten, muß ohne Unterlaß an einem gewaltigen Konstrukt aus Rechtfertigungen, Versprechungen, Entschuldigungen gebaut werden: für jede eingeknickte Erklärung müssen zwei neue Erklärungen her, das heißt dann vier für jene zwei, acht schon als nächstes usw. So ungefähr muß Babylon gebaut worden sein. Ständig sind unhaltbar gewordene Darstellungen nachzubessern, ist Durchhängendes zu stützen, Eingebrochenes zu erneuern.
Das ist ein Bau, der nur durch immer noch größeren Einsatz an Kapital und Arbeitern, Medienkapital und Medienarbeitern, auf immer ausgedehnterem Areal nicht in sich zusammenstürzt. Nur ein immer dichteres Gewebe aus Verdrehungen und Lügen vermag diese auf den Kopf gestellte Ordnung auf den Kopf gestellt zu halten.

Die Medien haben die Aufgabe, bei uns Vertrauen in die Verhältnisse zu produzieren, unser Vertrauen in den Gang der Dinge zu erhalten und, wenn nötig, es wiederherzustellen. Sie haben die Billigung des schreienden Unrechts durch uns zu sichern.
Solange wir Zeitungen wie den Kurier oder die Kleine Zeitung als Informationsmedium betrachten, haben wir keine Chance. Wo Deutlichkeit ist, etwa im schroffen Gegensatz von Knechten und Herren, haben sie Undeutlichkeit zu produzieren. Die Medien - das ist die Verteidigungslinie, die die wirklich Mächtigen (nicht ihre Angestellten in der Regierung) vor sich aufgebaut haben. (Das Profil reißt sich in jeder Nummer beide Haxen aus, um Funktionäre in Grund und Boden zu kritisieren, hat aber an der Aufteilung von Arbeit und Geld, von Besitz und Rechten in Österreich nicht das geringste auszusetzen.)
Die Medien sind der Sperrkordon, der uns abhalten soll, uns von den Mächtigen die Macht zu holen.

Sie schicken uns wählen. Sie locken uns hin und sie knüppeln uns hin. (Ausführlicher in Heft 15). Die Medien sind dazu da, abzuwehren, daß wir unsere Sache selber in die Hand zu nehmen. Sie haben uns andere anzubiedern. Ohne sie würde nicht der größte Teil der Österreicherinnen und Österreicher diesen gestopften Nadelstreif wählen.
Sie haben entsetzlich viel zu tun, um das, was ist, vor einer Demokratie zu schützen.
 

Lügen wie gedruckt

"Politik", sagen uns die Medien ununterbrochen, das sei Busek gegen Vranitzky. Die konsequente unausgesetzte Personalisierung ist ihr wirksamstes Mittel, von den Zuständen abzulenken. Staberl ist österreichischer Meister in dieser Disziplin, Profil Mannschaftssieger. Ha! Als wären unsere Probleme (die Knechtarbeit, die Bankenherrschaft, das Abmurksen der Natur z.B.) solche des Regierungspersonals und nicht solche des Geld-ist-alles-Systems!
Zurückschauend sieht man, daß die Auseinandersetzung um Funktionäre (Steger, Blecha, Gratz, ...) nie wichtig war, oder "nur", um die Zustände dahinter aufrecht zu erhalten.
Wenn die Zeitungen soviel Kraft aufwenden würden, Gründe aufzudecken, wie sie aufwenden, um sie zuzudecken, könnten heute alle Menschen ohne Angst und ohne Not leben.
Warum regen sich mehr Leute und mehr Leute heftiger über das unmögliche Wetter auf als über die unmögliche Staatsordnung? Dafür ist viel Arbeit nötig. Die "Nachrichten", die gebracht werden, werden anstelle von Nachrichten gebracht. Jede ist wichtig, weil sie eine wirklich wichtige Nachricht verdeckt. Die Nachricht über den 462. "Koalitionsstreit" ist z.B. dazu da, die Nachricht darüber zu verdrängen, daß jemand, der Geld genug hat, uns unseren Boden unter unseren Füßen wegkaufen kann.
Es wird uns vorgegaukelt, Politik sei das Händeschütteln bei Staatsbesuchen, das Aufreißen von Mercedes-Türen, das Römerquelletrinken bei Pressekonferenzen. Aber Politik ist die Transit-Besetzung Tirols, das Versteigern von Miet-Wohnraum an den Meistbietenden! Die Medien haben die dringende Aufgabe, uns auf das Tuscheln in Parteizentralen hin, uns auf das Rascheln in Ministerbüros hin zu orientieren. Sie haben uns am Parlamentarismus aufzugeilen. Eine Zeit-im-Bild 2 läuft ab wie eine Seitenblicke-Sendung: Ein leibhaftiger Minister im Studio, ein paar schnelle Fragen. Dann noch ein paar Filmchen über ein paar Politpromis: Gorbi da zu Besuch, Wojtyla dort, Kohl speist in Paris, ein erhaschter Satz von Butros Ghali, und ein Kameralächeln von George Bush samt Gemahlin. (Wenn ich sage, das ist verbrecherisch, wird man sagen, ich übertreibe. Wenn ich es nicht sage, lüge ich.) Die Medien legen unseren Blicken Fesseln an. Und das ist es, was sie zu tun haben. Rudolf Sallinger, viele Jahre Präsident der Bundeswirtschaftskammer, bestätigt, daß die Zeitungen nur zu unserer Blendung gemacht werden: "Im Kurier und in der Krone hab ich ehrlich gesagt immer nur die Überschriften gelesen. Die Presse (die Zeitung war bis vor kurzem im Besitz der Bundeswirtschaftskammer) hab' ich überhaupt nie gelesen. Ned amal die Überschriften." (Kurier, 8.12.90)

Es ist eine Aufgabe der Medien, Nichtigkeiten zu Wichtigkeiten aufzublasen. Die zwei Hauptbeiträge eines Tirol heute, der Regional-Fernseh-Sendung eines Landes, das die letzten Landwirtschaften an das Unternehmen Massentourismus verliert, sind: "Badehosenzwang für Kleinkinder im Innsbrucker Freischwimmbad - ja oder nein?" und "Schreibmaschinenschnellschreiber aus Rum bei Innsbruck als Gast im Studio". Das ist kriminell angesichts dessen, was zur gleichen Zeit in Tirol wirklich passiert. Statt eines Berichtes darüber, wie zehntausende ausländische Rackerer wie der letzte Putzhuder behandelt werden, bringt Tirol heute einen Filmbericht über den "Rehbock Hansi", der sich in eine Gärtnerei verirrt hat. Statt eines Berichtes über die vielen tausend in Beton gegossenen Familien in den Stadtrandbauten wird in Tirol heute groß von einer "Catcher-Veranstaltung" berichtet. Der "Blumenbinderwettbewerb"-Film steht am Sendeplatz des Berichtes über die Transitprofiteure in Tirol und anstelle der Geschichte über Finanzierung der Politiker durch die Industrie steht der Beitrag über ein "Country-Sänger-Treffen". (Alles wahre Beispiele aus einer Woche Tirol heute.)
 
 
 
 

Die Medien haben Wichtigkeiten weitab der wirklichen Wichtigkeiten zu machen. Wenn du woanders hin schauen willst, haben sie dauernd zu rufen: Schau da her! Sie melden dir dann Meldungen und berichten dir Berichte. Ist die Pressekonferenz irgendeines Ministers und die Presseaussendung irgendeines Parteihansls wichtig oder das tägliche Zuscheißen der Hintertäler durch 10.000 Touristen in Sölden und 10.000 Touristen in Ischgl? Aber die Zustände laden zu keinen Pressekonferenzen und die Müllberge machen keine Presseaussendungen. Die Zustände haben kein Fax und keine Du-Freunde in den Redaktionen.
Diese Medien sind Mittäter. Helfershelfer. Diese Medien sind furchtbar nötig.

Wenn die Menschen in Österreich alles wissen, dann hält kein Vranitzky mehr. Wir wollen, daß die Menschen alles wissen. Die Sandmännchen in den Medienburgen wollen um alles in der Welt, daß sie nichts wissen. In FÖHN 15 hieß es zur massiven Finanzierung der Tiroler ÖVP durch Hypobank, Tiland, Brenner Autobahn AG und TIWAG: "Keine Tiroler Tageszeitung und kein Tirol-Kurier und kein Radio Tirol finden dazu ein Wort, weil Hypo, TIWAG usw. auch deren Bilanzen auffetten." (S. weiter unten)
Dazu schrieb uns ein Redakteur von Radio Tirol: "die umfassende Darstellung von Parteienfinanzierung ist in 3 Sendeminuten (i.e. 45 Maschinzeilen) unmöglich und scheidet genau deshalb für Redakteure des Aktuellen Dienstes als Thema aus." (Brief von G. Laich, 3.4.91)
In Schübeln laufen die Redakteure zu Swarovski-Buffets, die Glasstaublungen der Arbeiterinnen und Arbeiter haben sie dabei noch nie gesehen.
Zehntausende Presseaussendungen der Industriellenvereinigung (VÖI) wurden 1:1 nachgedruckt, tausende Male wurde untertänigst von ihren Pressekonferenzen berichterstattet und ebensooft wurde nach einem Telefonanruf eines Industrie-Funktionärs gehorsamst ein Artikel geschrieben, aber noch kein einziger Satz über die Machenschaften der VÖI hat in eine dieser Zeitungen hineingefunden.
Der Kurier, z.B., wenn man ihn aufschlägt, hat 61 x 45 cm, aber ein zehn Zentimeter langer Satz über die mehrere hunderttausend Schilling hohe ÖVP-Wahlkampfmitfinanzierung durch die TIWAG geht trotzdem nicht hinein.
Über das "Haas-Haus", Ausdruck extremsten Bankenkapitalismus (Bodenspekulation, Grundrente, Wucher), wurde in den letzten Jahren in Österreich ausführlicher (aber eben nicht über diesen Ausbund an Asozialem!) berichtet als über die Wohnungsmisere, unter der Hunderttausende täglich leiden.
So wie es eingerichtet (worden) ist, kann es nur eingerichtet bleiben, wenn die Vielen, die es zu erdulden haben, im unklaren gehalten werden. Das gibt zu tun!
Die Menschen, die sich interessieren für das, was vorgeht, müssen für andere Dinge interessiert werden. Das ist nicht immer leicht, aber es geht - im Zusammenspiel mit den politischen Schauspielern: Vorgestern hat Haider die SPÖ "Wühlmäuse" genannt, gestern hat Cap mit "FPÖ-Führerstaat" gekontert, heute hat Haider vom "östlichen Bazillus" in der SPÖ gesprochen, morgen wird Vranitzky ... usw. usw. Und von den 13 Tageszeitungen bringen 13 Tageszeitungen die "Wühlmäuse" und den "Führerstaat" und den "östlichen Bazillus" usw. "Schön ist so ein Ringelspü', Ringelspü', Ringelspü' (...) und's kost' net vü'". Werden wir informiert oder gepflanzt?

Die ständige "Skandal"-Berichterstattung ist geradezu die Wunderwaffe bei der Ablenkung von den wirklichen kapitalistischen Skandalen, z.B., daß Frauen nur zu 66 Prozent Menschen sind. Profil in Österreich und der Spiegel in Deutschland haben diese Erfindung bis zur Patentreife vorangetrieben. Die Skandalisierung ist immer an Personen orientiert, denn mit Personen kann man - ohne den Zuständen selbst im mindesten zu schaden - abfahren. Da dieses System aber solche Personen hervorbringt wie ein Apfelbaum Äpfel (Birnen kann er nicht), spielen sie ein endloses Spiel. Aufgedeckt wird immer grad soviel, als anderswo Material zum Zudecken gebraucht wird. Etwa für das, wie der Billa-Litega-Libro-Bipa-Konzern auf Kosten von Tausenden Taglöhnerinnen täglich reicher wird, oder für das, wie die Firmen ihre hier herausgeschundenen Gewinne ins sichere Ausland schaffen. Gegen diese planmäßigen, ganz legalen Verbrechen im großen Stil, ist alles das, was Profil Ausgabe für Ausgabe auf den Titel setzt, ein Klaks. Die sogenannte politische Korruption (Bestechung von Staatsanwälten, Richtern usw. meinetwegen alles inklusive) bewegt sich - verglichen mit dem Betrug des Kapitals an der Mehrheit der Bevölkerung - im Dezimalbereich. Wenn wir uns - mit Recht - entrüsten über den Minister, der in die Gewerkschaftskasse greift, sind wir schon irregeführt!

Die Medien, die aufdecken, sollen uns vorgaukeln: Wenn einer eine Schweinerei begeht (Niederl, Sinowatz, ..) kommt es ans Licht. Aber die Helligkeit, die sie punktuell erzeugen, ist nur ein Abfallprodukt der Dunkelheit, die sie großflächig zu produzieren haben. Mit den Geschichten, die Alfred Worm weiß, aber nicht schreibt, ließe sich die viel sensationellere Zeitschrift machen als das Profil.
Wenn für die morgige Zeitung jeder Journalist in Österreich seinen heutigen Artikel über das Wichtigste schreiben würde, von dem er Kenntnis hat, würde mitten unterm Frühstück diese Republik zerbröseln.

Aber das wollen sie gerade nicht. Wer hat denn das große Wort in den Zeitungen? Die vierzig-, fünfzig-, sechzigtausend Schilling-Bezieher Rauscher, Kindermann, Lingens. Wer verkauft uns denn ununterbrochen aus dem Fernseher heraus, daß es anderswo und anderswie schlechter wäre? Solche, für die es anderswie nur schlechter sein könnte: die Monat für Monat mit zehn Monatslöhnen einer Küchenhilfe belohnten Moderatoren. Kann es Herrn Bronner (Standard), Herrn Kunz (ORF), Herrn Wolf (Kurier) irgendwie noch besser gehen, oder ist deren Schmattigkeit nicht ohnedies auf allerdünnsten Säulchen gebaut, sodaß jede Veränderung sich nur als Verschlechterung zeigen könnte?

Die Satten kommentieren die herrschende Ordnung. Demokratie und Geld, das ist so eine Paarung wie Liebe und Geld. Entweder oder.
 
 
 
 

Sagen, die Zeitungen lügen, und dann Beispiele aus der Politik bringen, ist zu einfach. Reden wir von etwas weiter weg Liegendem, von den Unfallberichten: Ist es das Glatteis, das das Auto schleudern gemacht hat, oder die Hetze in dieser Zeit-ist-Geld-Ordnung? Ist die vielbemühte "unbekannte Ursache", die zur Kollision geführt hat nicht vielleicht das geistige und seelische Verhungern im Kapitalismus? Das Nichtmelden der Blutopfer, die dieses Hü-hott-System täglich, stündlich fordert, ginge nicht. Das Richtigmelden geht schon erst nicht. Noch im meldenden Satz muß die Ursache umgelogen werden - so gefährlich ist die Wahrheit. In Wahrheit ist es nicht der Discobesuch, der den 18jährigen auf den nächsten Baum donnern läßt, sondern die wohlbegründete Angst, das Leben im Leben zu versäumen, so wie es nicht der Alkohol ist, der den Skitoten fabriziert, sondern sein Fluchtzwang aus dem ihm feindlichen Alltag. Noch die Todesanzeigen sind großteils gelogen: Nicht der Herr hat die 46jährige "zu sich" genommen, sie ist auch nicht am Krebs krepiert, sondern an den unerträglichen Zuständen.
Es ist so, als ob man sagen würde, Martin Luther King ist an Bleiklümpchen verschieden. Da die Leute immer nur an Reifenplatzern und inneren Gewächsen sterben, so der Effekt dieser Meldungen, kannst du mit deiner Unzufriedenheit nicht recht haben. Der Sandler in Innsbruck, der zuletzt verreckt ist, "dürfte" -laut ORF - "den tiefen Temperaturen zum Opfer gefallen sein". Ich sage, das ist gelogen - und ist nicht nur an der Wahrheit, daß er der Innsbrucker Sozialpolitik zum Opfer gefallen ist, vorbeigeredet.
Stimmt wenigstens das Fernsehprogramm in der Zeitung? Stimmen die Sportresultate? Nein. Beides wird uns so hingestellt, als ob es wichtig wäre für unser Leben.
Daß sie im Großen lügen müssen, indem sie z.B. das, was ist, ununterbrochen Demokratie heißen und das, wo man auf vorgedruckten Zetteln in vorgegebenen Spalten in dafür vorgesehenen Kreislein ein Kreuzchen kratzen darf, großkotzig wählen, versteht man. Aber es ist auch notwendig bis in die klitzekleinste Lokalmeldung hinein: Die Zeitung berichtet vom Unfall des jungen Familienvaters auf der Fahrt in die Arbeit, aber sie darf kein Wort darüber verlieren, welcher Wahnsinn es ist, in andrer Leute Arbeit zu fahren und fahren zu müssen. Das Lokalblatt meldet die Ehrung des Jagdpächters, aber nicht, welcher himmelschreiende Wahnsinn es ist, daß ein Geldsack das Wild, das wie die Luft und das Wasser und die Sonne allen Menschen gehört, sich zum Töten aus unseren Wäldern herauspachten kann.

Objektiv, sagen sie, seien sie, und neutral, der Ausgewogenheit verpflichtet. Kann man objektiv über den Hunger in Afrika berichten? Mit einerseits und andrerseits? Nein, entweder steht man auf der Seite der Verhungernden oder auf der der Hungermacher, das heißt auch der Hungermacher aus Österreich. Die Arbeitslosigkeit in der Obersteiermark ist ja gerade nicht objektiv! Oder ist es etwa so, daß beide ein bißchen recht haben, Täter und Opfer, Rausschmeißer und Rausgeschmissene, und beide ein bißchen unrecht? Neutrale Berichterstattung kann hier ja nur heißen, daß gegen das Unrecht nicht Partei ergriffen wird. Auf die Spitze hat es der ORF mit seiner lt. Rundfunkgesetz "Verpflichtung zur Ausgewogenheit" getrieben. Ja, was heißt denn das anderes, als daß zur Wahrheit, etwa der, daß unsere Bergbauern in der EG ratziputz aufgemarendet werden, die ministerliche Lüge kommen muß, daß es ihnen in der EG endlich viel besser gehen wird? Welches Wort paßt darauf genauer als das Wort Zensur? Diese Ausgewogenheit ist Eintreten für die herrschende Ungerechtigkeit.
Wer verändern will, ist nicht "ausgewogen".
 
 

Die Medien richten uns ab

Wenn wir am Morgen meinen, die Zeitung in der Hand zu halten, hält schon sie uns in der Hand. Unsere Gedanken, die sie lostritt, sind nicht die unseren. Bei "Banküberfall" denken wir (denken wir?) stracks an den vergleichsweise seltenen und vergleichsweise putzigen Beutezug eines Mannes mit Roger-Staub-Mütze, der fünfhunderttausend oder vielleicht nur fünfzigtausend Schilling einbringt, statt an den ununterbrochen stattfindenden der CA, der Bank Austria usw. auf Kunden und Nichtkunden. D a s ist Banküberfall. Aber wir sind programmiert. Die Medien haben die Aufgabe, uns dorthin zu bringen und dort zu halten, wo uns die Mächtigen haben wollen.

Von demokratischen Medien reden, heißt, einen Blödsinn reden. Sie funktionieren alle nur in eine einzige Richtung. Von Kommunikationsmitteln keine Spur. Wie Befehle gehen sie auf uns los - und fertig! Sie sind klar undemokratisch gebaut. Sie üben uns ein ins Empfangen und Nichtgehörtwerden und Nichtszusagenhaben. Sie sind ein treffliches Sinnbild dieser Scheindemokratie. Noch eins: Fernsehsprecher plappern täglich andrer Leute Meinungen herunter, als wär es das Normalste auf der Welt. Sie machen uns damit das bedingungslose, selbstverleugnende Funktionieren für anderer Leute Interessen vor. Ein fatales Vorbild.
Wir werden nicht informiert, sondern formiert.

Daß dir die Wirklichkeit, die wirkliche Wirklichkeit, muß man da schon sagen, wenn sie im FÖHN immer wieder ein Stücken ausgegraben wird, so unwirklich vorkommt, ist der Erfolg der Medien. Wenn die Welt lange genug auf den Kopf gestellt gezeigt wird, haben sich unsere Sinne daran gewöhnt. Wenn nun aber ein Teil, wie er ist, also auf den Füßen stehend, sichtbar (gemacht) wird, schreien unsre Augen sofort: 'Falsch! Umgekehrt!' So war es den Medien möglich, Millionen Menschen - völlig losgelöst von ihren Lebenswünschen - in den ersten und Millionen Menschen in den zweiten Weltkrieg zu treiben. Sie in Leningrad und Kirkenes ihre Heimat Zillertal verteidigen zu lassen. Welche mediale Propagandaleistung war nötig (und vorhanden), um 500.000 US-Soldaten, zum Großteil schwarze, zum Großteil niedrigster gesellschaftlicher Klasse, zigtausend Kilometer weit weg zu schicken, um dort für ihre Ölbarone und deren Bankenharem ihr Leben zu riskieren!
Öffentlichkeit ist nicht etwas, was vorhanden ist und respektiert wird. Öffentlichkeit setzt sich nicht aus meiner und deiner, unserer, eurer und ihrer Anschauung zusammen. Öffentlichkeit wird gemacht. Keine einzige Steuererhöhung ginge, ohne monatelanges Breitschlagen der Masse durch das Gequatsche über das Budgetloch und darüber, welche Vorteile es uns allen bringt, wenn wir noch mehr Steuern zahlen müssen. Keine ihrer angesetzten Wahlen ginge, wenn sie uns nicht hinpatern würden. Die Öffentlichkeit wird ausgerichtet nach den Erfordernissen der Wirtschaft, statt - viel einfacher - umgekehrt. Eine schwere Aufgabe. Der Wahnsinn einer Swarovski-Glasschleifer-Plantage mitten in Tirol muß als das Normale hingestellt werden. (Eine sehr schwere Aufgabe, uns unser Ausgeplündertwerden noch als nützliche Tat empfinden machen.)
Die Zeitungen üben auch Kritik? Ja, an Störungen im System, um diese (nicht dieses) abzustellen, um es noch besser funktionieren zu machen (weniger Bürokratie, billigere Tarife, schnellere Verbindungen).
 

Ablenkung

Ist es auch nur einen Augenblick lang zu rechtfertigen, daß du dein Leben lang für das Wohnen auf dieser Erde blechen mußt? . . . . ! (richtige Antwort hier eintragen.) Darum mußt du gehindert werden daran, das abzustellen. Die Medien haben die stete Aufgabe, uns in die Wüste zu schicken. Mit dem bißchen Kraft, das uns bleibt, jagen sie uns auf den Fußballplatz, damit wir es dort verpulvern. Wochenende für Wochenende fädeln sie uns an steilen Abfahrtspisten und Slalomhängen auf, damit wir uns statt gegen die Vergiftung mit Blei, Schwefel, Stickstoff, Cadmium usw. gegen einen um zwei Hunderstel zu schnellen schweizer Skirennfahrer die Seele aus dem Leib schreien. Die Tiroler Tageszeitung weiß, was sie tut, wenn sie den Montagsfrust im Land mit bis zu 12 (!) Seiten Wettsport-Berichten zudeckt. Alle Achtung, das ist ganze Arbeit.

Wer glaubt, wir hätten das Recht, von den Medien darüber aufgeklärt zu werden, warum alles so ist, wie es ist, ist ihre sicherste Beute. Auch wenn dieses Recht vielleicht in einem Fachbuch eines Universitätsprofessors steht. Bei den Rechten ist es so, daß wir nur diejenigen haben, die wir selber wahrnehmen. Niemand anderer wird es je für uns tun (außer im Buch des Universitätsprofessors). Die Medien haben von denen her, denen sie gehören und von denen her, denen sie dienen, nicht die Aufgabe uns aufzuklären, sondern im Gegenteil. Die Wahrheit kommt ihnen höchstens einmal aus, wie einem manchmal ein Furz auskommt. Sie haben uns willig zu halten und auf Trab. Sie haben uns in der Früh aus den Federn zu reißen, damit wir "unsrer" Arbeit nachkommen, und sie müssen uns am Abend ins Bett bringen, damit wir am nächsten Tag wieder ... (siehe oben!)

Der Landeshauptmann mit den Chefredakteuren, das ist der Landeshauptmann mit seinen Bodyguards.
 
 
 
 

Die, die unter den Verhältnissen drohen schlapp zu machen, müssen ständig soweit aufgepäppelt werden, das nicht zu tun, und die die drohen gegen die Verhältnisse vorzugehen, müssen dazu gebracht werden, jenes nicht zu tun. Die Medien, das ist der lange Arm, der bis ins Schlafzimmer hinein für Ruhe und Ordnung, soll heißen Unterordnung zu sorgen hat. Wer am Kabel hängt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er gegängelt wird.

Beispiel Radio: Das ist großteils Hirnkneterei, von 0 bis 24 Uhr, auf drei Kanälen. Ö3 ersäuft uns in Happysound, Ö1 verabreicht Bach, Mozart, Haydn in Waren-Häppchen, Ö2 macht Tschinderassabumm. Alles das ist (vielfach) Nebelmusik, die einhüllt und abhält. Das sind Narkotika. Dieses Überangebot an Heidschibummbeidschi-bumm-bumm verrät etwas von der großen Not, die herrscht, vom wirklichen Elend der bedrängten Kreatur. Der Moderator wünscht "Viel Spaß mit der kommenden Platte" als wäre hier, in dieser betrunkenmachenden Musik zu finden, was sonst nicht zu haben ist. Das Unterhaltungsprogramm ist ein Untenhaltungsprogramm.

Man kennt das: Hühnerställe mit Musik, um die Eierproduktion anzuregen, Glashäuser mit Musik, um das Pflanzenwachstum zu beschleunigen, Fabriken und Büros mit Musik, um die Arbeitsleistung zu heben. Am Menschen erprobt, mittlerweile auch bei Kühen eingesetzt: beide geben mehr Milch. Millionen Österreicherinnen und Österreicher sind täglich dem Hopp-hopp-hopp von Ö3 ausgesetzt, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen usw. und zuhause. Ö3 ist ganz gewiß wichtiger für die sogenannte öffentliche Sicherheit als die gesamte Polizei. In die "Musik zum Träumen" wird uns Schlafpulver gerührt, in den Ö3-Wecker Aufputschmittel.

Sie haben Angst vor uns, mehr als berechtigte. Darum gehen sie jeden Tag mit Millionen Zeitungsexemplaren auf uns los, wovon die Hälfte wieder eingestampft wird, um morgen wieder gegen uns zum Einsatz zu kommen (von denen die Hälfte wieder ...). Allein das Radio beschallt uns (Ö1, Ö2, Ö3) 72 Stunden in den 24, die ein Tag hat.
Wenn wir hinhören möchten, wie's unserem Nachbarn geht, fährt uns das Radio ins Ohr. Das ganze Arsenal aus papierenen und elektronischen Medien ist dazu da, uns pausenlos zu beschäftigen. Zu verhindern, daß aus unserem schlechten Gefühl an den Zuständen gute Gedanken dagegen werden können.

Gerade die von den Medien erzeugte Undurchschaubarkeit der Verhältnisse ruft bei vielen Menschen erst recht das Bedürfnis nach Aufklärung hervor, treibt sie also erst recht wieder in die Fänge der Medien. Es ist beklemmend, anzusehen, wie diese Not Zigtausende Montag für Montag zu den Kiosks drängt, um dort Profil zu erstehen, das ihnen nicht einen Millimeter heraushilft. Im Gegenteil.

Wenn wir nicht in einem fort von Zeitungen und Rundfunk bearbeitet würden, wüßten wir noch selbst was uns angeht: zum 87. Mal Gamsachurdia oder der Urlauberverkehr von Deutschland nach Italien über unser Land hinweg, eine Weltraumtorkelei oder wieso der in Tirol erzeugte Strom für uns in Tirol so teuer ist. Das mit tonnenweise Zeitungs-Quatsch Zugeschüttete würde nach oben kommen, und unsere Ansprüche an das Leben würden sich heraustrauen. Aber wem täglich die Tiroler Tageszeitung ins Haus flattert, der ist schon fast erledigt.

Die Medien teilen nichts mit, was uns zum Handeln veranlassen könnte, nur solches, das uns desorientiert (die Parteileitungssitzung in Linz, die Flut in Bangladesch, die Grazer Messe, der Absturz bei Lockerbie, die Anklage eines Ministers, das Endspiel in Buenos Aires). Sie erzeugen Konfusion, und sie tun das, weil es ihre Aufgabe ist. Über die Meldung vom Massacker fährt die Meldung vom Wirbelsturm drüber, neben dem Artikel von der Betriebsstillegung steht der Bericht über die Wahl der Miß Austria. Jede Nachricht wird von der nachfolgenden ausgelöscht - es darf kein Platz bleiben zum Denken.

Sie funken dazwischen, wenn aus unseren eigenen Erfahrungen Konsequenzen werden wollen. Sie haben uns narrisch zu machen, Kurier vom 1.2.92: "Der beste Weg zu mehr Gehalt" (Serie), "Olympia-Wette / Gold für die Sieger - Gold für Sie!", "Das große Olympia-Gewinnspiel (Casinos Austria) - Gewinnen Sie täglich ein paar Kästle-Ski!", "Karriere-Tips" (Serie), "Die Glückskinder - Ihr Horoskop". Das Hirn ist ein gefährlicher Teil des Menschen: es denkt. Sie haben vorzusorgen, daß wir nicht eins und eins zusammenzählen, unser Unbehagen nicht begreifen.
Sie schaffen nicht die psychische Not der Menschen unter der Fuchtel des Geldes ab, nur das Bewußtsein von dieser Not, vor allem das Bewußtsein von dieser Not als einer zwangsläufigen in dieser primitiven Gesellschaftsordnung.

Sie haben das Anetwasanderes-Denken uns auszutreiben. Freiheit hieße, sich vorstellen zu können, wie es besser sein könnte und wie das gemacht werden könnte. Das Aufkommen dieser Vorstellung bekämpfen die Medien mit ganzem Einsatz. Sie haben uns unsere Perspektiven wegzunehmen. Was uns gelassen werden soll, sind, je nach Lebensalter, noch zwanzig Jahre so wie es ist oder noch fünfzig Jahre. Die Medien haben in diesem System die Aufgabe, uns zu verwirren und zu lähmen. Schau dir Österreich an: Sie machen ihre Sache ausgezeichnet.

Das bißchen Empörung über die Zustände, das uns gestattet wird, haben wir jede/r für sich zu empfinden, du über deine Tageszeitung gebeugt, ich über meine. Unsere Empörungen finden nicht zusammen. Das "Massenmedium" Fernsehen bedeutet Aufsplitterung der Masse in ihre Millionen Teile. Jede Emotion ist allein. Es bestehen also im besten Falle Millionen vereinzelter Entrüstungen, die nicht zu einem Sturm zusammenwachsen. Die uralte Herrscherweisheit "Teile und herrsche!" hat ihre höchste Vollendung erfahren. Die Massenmedien vereinzeln uns, statt uns, wie es ihre technischen Möglichkeiten erlauben würden, zu vereinen. Das ist politisch ein entscheidender Schlag.
 

Das Volk über seine wahre Stärke täuschen

Die Herrschenden haben mit allen Mitteln, das heißt: mit allen Medien, unter uns das Gefühl der Ohnmacht zu verbreiten. Die Widersprüchlichkeit der Meldungen soll uns zermürben: "Man weiß ja sowieso nicht, was wahr ist und was nicht!" Die "Skandalgeschichten", die sie eine nach der anderen auspacken, sollen uns einbleuen, daß "die da oben es sich richten" und "wir da unten sowieso nichts machen können". Ohne die ständige Demoralisierung des Volkes wäre diese Ordnung, die zu Lasten der Mehrheit geht, nicht zu halten.

Die Medien dürfen nur ja keine wirkliche Orientierungshilfe geben, nur ja keinen Ausweg angedeutet sein lassen, auf so schwachen Fundamenten steht diese Herrschaft. Sie haben bereits, bevor es uns einfällt, daß wir uns organisieren könnten, uns davon abzuhalten. Wir sollen unsere Möglichkeiten gar nicht erfahren. In den Informationen, die uns pausenlos aufgedrängt werden, sind sie nicht enthalten.

Das Volk ist ein Tiger. Die Herrschenden setzen alles daran, daß das Volk sich dessen nie bewußt werden möge.
 

Wort-Wechsel

Die Sprache, in der öffentlich über die Zustände gesprochen wird, ist die Sprache seiner Profiteure. Die der Ansammlung von Reichtum z.B. der Aktionärsfamilie Schwarzkopf zugrundeliegende Ausbeutung heißt weder in Radio Tirol so, noch im Basta, noch sonstwo. Ja, man hat uns sogar das Wort "Kapitalismus" wieder weggenommen. Der Chefredakteur des Kurier, H. Rauscher: "Es ist besser, dafür den moderneren Begriff 'Marktwirtschaft' oder 'soziale Marktwirtschaft' oder auch öko-soziale Marktwirtschaft' zu verwenden." (Kurier, 4.11.90)
Besser für wen?

Medien haben die Verhältnisse verschleiernde Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch durchzusetzen. Wer "Wohnungsnot" sagt, vermittelt das Gefühl einer Naturkatstrophe, statt das von Spekulation. "Konjunktur-Einbruch" läßt an Schicksal denken. Die Sprache, die uns beigebracht wird, ist eine Sprache, die die herrschenden Zustände von oben her gegen seine Opfer verteidigt. Die ganze Zeitung ist voll von solchen Wörtern, die - ohne dafür einen Satz zu brauchen - schon lügen: Wie verbrecherisch ist ein Wort wie "Nächtigungssteigerung" angesichts von Kirchberg oder Mayrhofen! Angesichts des Drecks und des Leids und des Schweißes und der Tränen, die damit zugedeckt werden.

Die Worte, die sie uns in den Mund legen, sind Feindesworte. Wenn wir sie nachsprechen, ergreifen wir gegen uns selbst das Wort. Das wollen sie ja gerade, daß wir mit ihnen diese wenig verhüllte brutale Geldherrschaft als "Demokratie" bezeichnen. Wo die Schule nicht mehr hinlangt, haben die Medien die Aufgabe, uns diese Sicht auf die Dinge aufzuzwingen. Sie haben die oben ausgegebenen Wörter unter das Volk zu schmuggeln: "wählen" z.B. für das Nichtszusagenhaben.

Die Sachverhalte können sich nicht selbst in Worten ausdrücken, und werden daher von denen, die das Sagen haben, mit Etiketten versehen: wenn Philips wegen schrumpfender Profite das Werk in Gmunden sperrt, heißt das "Rezession". Die Rezession ist etwas, für das auch nie jemand verantwortlich ist: es gibt eine, sie droht, sie kommt auf uns zu, geht von Amerika aus, greift über usw.
Die Sieger schreiben bekanntlich die Geschichte. Und geschrieben wird sie in den Medien.
Wenn wir uns dieser Sprachregelung fügen, können wir die Schuldigen nie kennenlernen.
 

Medienpolitik (Beispiele)

"50 Tote bei US-Invasion" soll es laut Standard (Aufmacher am 21.12.89) beim militärischen Überfall der USA auf Panama im Dezember 1989 gegeben haben. Für den Kurier-Chefredakteur ging es dabei um "eine Aktion für Demokratie und Menschenrechte" (23.12.89).
In Wahrheit sind bei dieser Terroraktion der US-Armee nach den Schätzungen kirchlicher Stellen mindestens 3000 Zivilisten ermordet worden. Mehrere Massengräber wurden inzwischen entdeckt.

Der Umsturz in Rumänien, uns gern auch als Revolution verkauft, hat, schrieben die Zeitungen, zwischen 60.000 und 70.000 Opfer gefordert, laut TT "kamen im Freiheitskampf 70.000 bis 80.000 Menschen ums Leben" (27.12.89).
In Wahrheit waren es ein Prozent dieser wochenlang gemeldeten Zahl: 689.

Zu Weihnachten 1989 wurden uns von Fernsehen und Zeitungen ungefragt Bilder zugestellt, die ein entdecktes Massengrab im rumänischen Temesvar zeigten: Leichen, nichts als Leichen, darunter Mütter mit Säuglingen.

Augenzeugenbericht aus Temesvar von Peter Zehrer, Redakteur der Presse:
"Draußen, auf dem Friedhof in der Calea Lipovei, liegen ein gutes Dutzend Leichen, so, wie man sie aus den Massengräbern der Securitate, in denen ein Vielfaches davon verscharrt worden ist, geholt hat. Es ist nicht der Verwesungsgeruch, der einem den Atem nimmt, es ist die unfaßbare Perversität, mit der man hier konfrontiert wird.
Die Gesichter der starren Körper sind mit Säure und Chemikalien entstellt worden; sie sind zum Teil schwarz. Niemand sollte diese Leichen identifizieren können.
Die Körper sind aufgeschnitten und ganz grob wieder zugenäht worden. Eine Hütte im letzten Winkel dieses Armenfriedhofs diente einem Securitate-Sadisten als >Seziersaal<. Auf dem Bauch einer jungen Frau liegt ein - ebenfalls aufgeschnittenes - Neugeborenes, ihr Kind. Und gleich daneben - es gibt wohl eine Gerechtigkeit - die Leiche eines Mannes, dem man vor dem Tod noch die Beine zerschlagen hat. Es ist jener Arzt der Securitate, der sich an diesen Opfern vergangen hat und der von seinen eigenen Leuten liquidiert worden ist."
(Presse, 27.12.89)

In Wahrheit handelte es sich um ein Gemeinschaftsgrab der städtischen Gerichtsmedizin mit obduzierten Verstorbenen aus den Wochen und Monaten vor dem Ceausescu-Sturz.

Die am Golf in Brand geschossenen und in Brand gesteckten Ölquellen, verrieten uns die Zeitungen Ende Jänner 1991, würden fünf Jahre Löscharbeit in Anspruch nehmen.
In Wahrheit ist der letzte Brand am 2. November 1991 ausgeblasen worden.

Der Absturz der Maschine der Lauda Air im Mai 1991 über Thailand war, schrieben die Zeitungen, das Werk von Terroristen.
Kurier, 28.5: "Es war mit ziemlicher Sicherheit eine Bombe." "Wer ist zu kaltblütigem Massenmord fähig?" "Diese Drogenbosse zeichnen sich durch absolute Rücksichtslosigkeit aus. Der Tod von über 200 Menschen bedeutet ihnen nichts, wenn es darum geht, unliebsame Personen aus dem Weg zu räumen." (Rau); (Landeshauptmann Partl: "Wir sind alle aufgerufen, sämtliche Kräfte gegen eine wahnsinnige Anarchie zu mobilisieren.")
Kurier, 29.5.: "Heroinfund im Wrack des Lauda-Flugzeuges" (Aufmacher) "War der Drogenboß Khun Sa Drahtzieher des Anschlages?"
Kurier, 30.5.: "Experten tippen auf einen Materialfehler oder Bombe"
Kurier, 31.5.: "War es das Werk von anonymen Terroristen?" (Titel)

In Wahrheit war ein Konstruktionsfehler der Grund für den Tod von 228 Menschen.

Ende September 1991 gab es in Bukarest eine Großdemonstration der Bergarbeiter gegen das neue Hungerregime. Dabei prallten verschiedene Seiten aufeinander. Friedrich Orter (ORF) sagte es uns am 27.9.91 aus Bukarest: "Es dürften wohl an die 1000 Toten sein!"
In Wahrheit gab es genausoviele wie beim Motorradunfall in Tarrenz: zwei.

Es ist nicht bekannt, daß eines dieser Medien Abonnementgebühren an seine belogenen Konsumenten zurückerstattet hätte!
 

Das G'schäft der Zeitungen

Sportartikel und Leitartikel: Ein "Artikel", das sagt schon der Name, ist etwas, was man kaufen kann (Aber dazu später). Eine Zeitung ist keine Gefälligkeit, sondern eine Ware. Warum ist heute wieder der ganze Kiosk voll Zeitungen? Weil sich gestern soviel Wichtiges ereignet hat? Nein, weil der Herr Zeitungs(aktien)besitzer unser Geld will. Darum: schreiende Titel, schreiende Aufmacher und schreiende Fotos. Er zieht Gewinne aus dem Geschäft mit Nachrichten, die er teils im eigenen Haus herstellen läßt, teils - wie Darbo den ungarischen Honig - zukauft. Das mit "Instrument der demokratischen Meinungsbildung" (Kurier) und "objektiv und so vollständig wie nur möglich informieren" (Presse) usw., das im Impressum steht, steht im Impressum, weil es dort hineingeschrieben worden ist. Bei Blattlinie müßte stehen: Geld machen! Wenn wir hungrig nach Einsichten sind, und da zu einer Zeitung greifen, greifen wir haarscharf daneben. Genauso wenig wie, sagen wir, ein Cornetto-Eis dazu da ist, unseren Hunger nach Eis zu stillen, sondern ihn aufs Neue anzufachen, so erzeugt jedes Profil unaufhörlich das Verlangen auf ein nächstes Profil. Keine Ware soll sättigen, sondern gierig machen, das Bedürfnis nicht befriedigen, sondern ein endloses daraus machen.
 

Sind Leser wichtig?

Die Zeitungsherren können ihr Heu nur einfahren, wenn sie für das große Kapital das Scheunentor ganz aufmachen. Die in Österreich erscheinenden Tageszeitungen kamen im Jahre 1990 auf diese Weise zu offiziell 3,7 Milliarden Schilling an Werbeeinnahmen, alle Druckmedien zusammen brachten es auf 6,1 Milliarden. (Schau!) Allein die Banken sind (offiziell) mit 327 Millionen Schilling in die Zeitungen hineingefahren, mit 250 weiteren in die Zeitschriften.
Dafür, daß Leserinnen und Leser diesen Anzeigen ausgesetzt werden, gibt's den redaktionellen Teil, nach dem sie greifen. Der selbergemachte Teil als Lockangebot für das, um was es wirklich geht. Profil und Die ganze Woche fangen den Skandalgierigen (für Alfa Romeo bis Zanussi) ein, und Basta und Wiener geht der sexuell Gedrückte (für Atomic und Zgonc) ins Netz. Alles eine Frage der Aufteilung des Reviers. Profil verpackt sein Anzeigenpaket mit dem Heuler "Androsch am Ende?", der Wiener macht einen (affen)geilen Umschlag ("Telefon-Sex" oder "Sex Terror" oder "Immer mehr Sex im TV") drum herum. Damit die überall zuhauf produzierten, überall zuhauf überproduzierten Waren (ständig um vierzig Prozent zuviele Zahnbürsten und Zahnpasten) wenigstens teilweise in Geld umgesetzt werden können, muß zuerst die Werbung wirksam werden können. Das heißt erstens, die Zeitung muß massenhaft unter's Volk, und zweitens, die Leserin, der Leser muß fürsorglich mit vielen kleinen eingebauten Geschichten von Anzeige zu Anzeige zu Anzeige geführt werden.
Genauso hat das Unterhaltungsradio sein Millionenpublikum mit Schlagzeilen, Tratsch und Tralala von Werbeblock zu Werbeblock zu geleiten, auf daß keine/r ihm entfliehe.

Profil, das sich phasenweise wie ein Quellekatalog ("Ein Mazda müßte man sein!" / "Tigern Sie zu Hartlauer!" / "CA - Die Bank zum Erfolg") ausnimmt, macht offiziell einmal "rund zwei Drittel der Einnahmen" (Profil, 27.8.90) mit Inseraten, ein andermal kommen "weit mehr als die Hälfte unserer Einnahmen ... aus dem Anzeigenumsatz" (Profil, 6.5.91). Als am 30. September 1991 das Magazin wegen Streiks nicht erschien, mußte laut ORF die Zeitschrift einen "Ausfall von 4,5 Millionen Werbe-Einnahmen und 1 Million Verkaufserlös hinnehmen" (Journal um 5, 30.9.91). Nicht nur, daß der Verlust für die Zeitungsleser wesentlich geringer war als für die Zeitungsbesitzer, ergab er sich für diese damit zu 82 Prozent aus dem Entfall der Anzeigen und nur zu 18 Prozent aus dem Entfall des Verkaufs. Merken! Wenn man rechnet, daß Profil bis zu sechzig Anzeigenseiten pro Ausgabe hat, damit auf gegen 2.000 Anzeigenseiten im Jahr kommt, weiß man wieviel Profilheftln reinster Werbung jemand während eines Jahres zum Kiosk holen geht: Ca. 20. ("'profil' und 'trend' müssen unabhängig bleiben!" forderten dann während des Streiks grüne und linke Promis in Solidaritäts-Anzeigen. "Bleiben" hat mir gut gefallen, war sehr witzig.)

Wenn - im Sommer beispielsweise - die Zahl der Anzeigen zurückgeht, ist auch die Zeitung nicht mehr so wichtig. Der Kurier etwa baut von 100 und mehr Seiten am Samstag auf 60 inkl. Anzeigen (17.8.91) ab, die Salzburger Nachrichten schrumpfen samt Werbeseiten auf 54 (17.8.91) und der Standard sackt auf 32 Seiten Umfang am Samstag (17.8.91) herunter. "In eigener Sache: Mit dieser Ausgabe der Tiroler Bauernzeitung beginnt eine Folge von mehreren Nummern mit geringerem Umfang als gewohnt. Damit wird wie schon im letzten Sommer sowohl der politischen Sommerpause als auch dem verminderten Inseratenaufkommen Rechnung getragen. Wir hoffen dennoch, daß die wichtigsten Informationen für Sie, lieber Leser, enthalten sind. Die Redaktion" (Tiroler Bauernzeitung, 11.7.91)
Der Leser bringt (siehe oben) finanziell wenig. Und wenn's wenig Werbung gibt, braucht man ihm dafür auch nur wenig Lesefutter einstreuen.
Der Standard, den jeder Trafikant um 10 S abgibt, kostet, hört man, in der Herstellung zwanzig Schilling. Wenn der Kaufpreis niedriger ist, ist der Verkauf höher. Das heißt, das bringt mehr und teurer verkaufte Werbeseiten. Und die vielen Werbeeinnahmen ermöglichen erst recht einen niedrigen Zeitungspreis und das führt umso mehr zu einer hohen Auflage, die mehr und teurer verkaufte Werbeseiten bringt. Erreicht wird, daß jeder, der anfällig ist für schnallige Aufmacher, sich dem auf ihn wartenden Werbe-Terror aussetzt.
Zeitschriften wie Wiener und Basta werden fast ausschließlich über Reklameseiten finanziert, die Leser sind nicht der Einnahmen wegen wichtig, sondern als Zahl, die die Anzeigen konsumiert. Daher schneit's Extra-Beigaben zu den Heften (z.B. Gutscheine) und Geschenke für jeden, der sich ein Abonnement lang an diese Kataloge bindet. Wenn der Eindruck entstanden sein sollte, diese Druckwerke würden also hauptsächlich von Gloria Kräutershampoo und Billa heute bezahlt, ist der falsche entstanden. Natürlich bezahlen wir die Werbung für die Waren, die wir ohne Werbung gar nicht gekauft hätten.
 

Es lebe die Pressefreiheit!

Aber die unabhängigen Zeitungen, alle Zeitungen in Österreich also, sind ja - wie ihr Name sagt - unabhängig.
Das schaut dann so aus:
hinten durch die Bank massig Kredit-Lockungen, vorne alle halben Jahre ein redaktionelles Rotzen über die Verschuldung von immer mehr Haushalten
vorne sittliche Entrüstung, hinten Pornokino-Anzeigen usw.
vorn herum kritisch angehauchte Artikel über Autoverkehr, hinten seitenweise Autowerbung
vorn herum Gemäkel an Parteien, hinten herum ganze Serien von Parteien-Werbung
vorne der Treffpunkt der Anonymen Alkoholiker, hinten Alkohol-Anzeige an Alkohol-Anzeige
vorne hin und wieder ein paar gequälte Sätze zur Wohnungsnot, hinten das große Geschäft mit ihr
vorne ein wenig Geploder über Ausverkauf von Grund und Häusern, hinten großklotzig ganzseitige Einschaltungen ausländischer Betriebe
hinten Pelz, HiFi und Kaviar, vorne ein bißchen Geheuchel über die Not von Kalkutta oder die in der Obersteiermark oder in Hochfilzen
usw.

Jeder Alkoholtote, jeder Unfall eines Besoffenen, der vorn in der Zeitung steht, ist ein Beweis für den Erfolg der Alkoholwerbung, die hinten steht.
"Es gibt ja keine Zeitung ohne Werbung, schon gar ka unabhängige Zeitung!", ist Armin Thurnher draufgekommen, Redakteur und Herausgeber und Verleger des Falter (Oktober 1984, Uni Wien).

Wir reden hier nicht von Bestechung, oder nur von der ganz legalen. Von der, die man nicht so nennt.
Es gibt so gut wie keine öffentliche Kritik daran, wie ausländische Handelskonzerne ihre Warenhäuser auf die grüne Wiese an den Stadträndern klotzen: Adler, C&A, Cosmos usw. Man versteht mehr davon, wenn man die zwei Seiten Media-Markt-Werbung (BRD) und die eineinhalb Seiten Kleiderbauer-Reklame (BRD) und die eineinhalb Seiten C&A-Einschaltung (BRD) in einer Ausgabe der Salzburger Nachrichten sieht (2.11.90). Darüber, wie die flotten Sweatshirts von Adler und die lustig bedruckten Slips von C&A in fernöstlichen Sklavenfabriken hergestellt werden, erfahren wir aus der Tiroler Tageszeitung nichts. Aber, daß "Adler - Mode für Schlaue" in Ansfelden und Klagenfurt und Salzburg und Innsbruck und Villach und Vösendorf und Wien und Wiener Neustadt "6 Stück Hemden um 498.-" herzugeben hat, dafür ist eine Zeitungs-Seite Platz.
 
 
 
 

Der deutsche Media-Markt hat in den ersten 12 Monaten nach der Eröffnung seiner Kaufhalle in Innsbruck (unvollständig) gezählte 74 Seiten Tiroler Tageszeitung gekauft. Errechneter Kaufpreis: 9,75 Millionen Schilling! Da ist es nicht mehr drinnen, über die Sache mit dem Grundverkehr, über öffentliche Hilfestellungen, die Firmenkonstruktion, die Billigstproduktion in Hungerländern, die Handelsmethoden der Firma, die erfolgende Ausrottung der heimischen Elektrohändler u.a.m. zu berichten. Nein, da muß auch noch im redaktionellen Teil (Muß? - Aufgrund welcher Abmachungen denn?) und in nichts von diesem unterschieden mit Bild und Text ("... MediaMarkt Innsbruck präsentiert auf 2300 Quadratmetern ein Riesenangebot von über 40.000 Artikeln aus ...") von der Eröffnung berichtet werden (TT, 2.6.90). Ein andermal (27.5.91) kommt, wieder als Bericht getarnt, ein Foto vom Media-Markt mit einer Plattensängerin davor ("Im Rahmen ihrer Promotionstour durch Österreich besuchte 'Simone' auch das MediaMarkt-Tonträgerteam in Innsbruck ..."). Zumindest müßte nach österreichischem Mediengesetz eine Werbeeinschaltung bei Strafe als solche gekennzeichnet werden. Müßte, müßte, müßte! Das Müßte-Spiel ist ein müßiges Spiel. Wenn wir anfangen damit, was alles müßte da, wo das Geld regiert, können wir gleich aufhören. Schau dir das an, dann weißt du, wer deine Zeitung schon gekauft hat, vor du sie gekauft hast.

In der Wochenpresse/Wirtschaftswoche steht, "Neckermann - für die kostbarsten Wochen des Jahres" und "Nissan - Sie kommen besser an" und "Liebe geht durch den Meinl". Der Zeitungsbesitzer lebt vom Umsatz der Waren, die in seiner Zeitung angeboten werden. Also wird er gegen Lohnkämpfe in den Betrieben, die sie herstellen, sein, gegen Streiks in diesen Betrieben, gegen teure Umweltmaßnahmen, gegen Steueranhebung, gegen das und gegen jenes sein. Wie wird er die Umweltberichterstattung machen lassen? Wie wird er die Artikel über die soziale Lage bestellen? Richtig geraten. Du bist in der nächsten Runde. Der Chefredakteur der Kleinen Zeitung, der drittgrößten österreichischen Tageszeitung, Kurt Vorhofer hat einmal freimütig gestanden: "Großinserenten üben massiven Druck aus, oft mit Erfolg. So werden gewisse Fragen gar nicht mehr richtig erörtert, denn das Thema ist gleichsam tabuisiert." (Kleine Zeitung, 14.3.91)
Der Standard sieht: Im Jahr 1990 haben wir vom Raiffeisenkonzern soviel bekommen, im Jahr 1991 soviel. Das heißt für uns: Im Jahr 1992 werden wir ca. soviel bekommen. Das heißt, die Brüder werden wir uns warmhalten. Seit die Austrian Industries die irren Summen für ganze Endlosserien von zwei- und mehrseitigen Inseraten an so gut wie alle großen Blätter überwiesen haben, ist dort Ruhe.
Die Biochemie in Kundl, zum Schweizer Sandoz-Konzern gehörig, weiß schon, warum sie alljährlich eine ganze TT-Beilage kauft. Auch die Montanwerke in Brixlegg, ein Betrieb der deutschen Metallgesellschaft AG, weiß, was sie der Berichterstattung in der Tiroler Tageszeitung schuldet: eine Beilagenzeitung pro Jahr. Denn die Hand, die einen füttert, beißt man nicht.
Mit der Meinungsfreiheit bei uns, das ist so: Da gibt es eine einzige Rundfunkfirma im Land, und wer Geld genug hat, kann sich dort Minuten und Stunden herauskaufen! Wieviele Stunden wurde über Frolic, Chappy, Pal und Cäsar berichtet! Aber ein einziger Satz darüber, daß die vielen Hunderln hier vielen Menschen anderswo ihr Essen wegfressen, ist sich noch nicht ausgegangen.

Wenn wir davon zu reden anfangen, daß die TT ein paar Tage, nachdem sie sich über eine Sonderbeilage der Firma Schablonentechnik Kufstein freuen durfte (29.6.91), einen netten Bericht mit dem Titel "Schablonentechnik weiter auf Erfolgskurs" (übrigens vom selben Redakteur W. Schrott verfaßt wie die Werbezeitung) gebracht hat (TT, 3.7.91), wird man sagen: ein Einzelfall. Wenn wir mit dem freundlichen redaktionellen Artikel ("Großen Anklang fand das neueröffnete Küchenstudio von Föger-Wohnen in Telfs ...") über das Möbelhaus Föger 16.3.92), das fleißig in der TT inseriert, nachstoßen, wird man sagen: wieder ein Einzelfall. Wenn wir dann den Bildbericht "Premiere feierte die neue Mercedes-S-Klasse ..." in der TT (4.5.91) erwähnen, wird man sagen: noch ein Einzelfall. Oder man wird sagen: Der Kurier (4.5.91) hat mit zwei Fotos und mehr Text vom neuen Mercedes berichtet (Titel: "So hell strahlten die Sterne noch nie zuvor"). Also lassen wir's.

Wenn wir diese Artikel gar nicht mitzählen, bringt's die Tiroler Tageszeitung zum Beispiel bei 62 Seiten auf 33,3 volle Anzeigenseiten (22.6.91), das sind 53,7 Prozent. Oder bei 72 Seiten auf 39,5 Anzeigenseiten (29.6.91), das sind 54,8%. (Die Fotos von Sportlern, die nur deshalb so oft und so groß in die Zeitung kommen, weil sie den Schriftzug der Sparkasse oder von Raiffeisen auf ihrem Leiberl tragen, sind hier nicht mitgezählt.)

Schon vor zehn Jahren hatte die Tiroler Tageszeitung über 50 Angestellte allein fürs Anzeigengeschäft nötig. Wenn die Fachzeitung Extradienst (6/89) über die Anzeigenabteilung der TT sagt, "da herrscht klarer Insertionsterror", lese ich da die Drohung heraus: Wenn ihr nicht in dieser Zeitung inseriert, werdet ihr schon sehen, was wir über euch schreiben. Umgekehrt läßt sich das für die vielen fleißig in der TT werbenden Firmen so verstehen: Alles in Butter!
Die Kosten für eine Seite Werbung liegen weit über den Kosten, die die Zeitung für eine Seite Satz und Layout und Druck und Papier und Vertrieb hat. Das heißt, es muß mit dem Seitenpreis redaktioneller Flankenschutz mitbezahlt sein.
 

Was uns die Werbung sagt

Der Außenminister auf einer Flugzeugstiege, der Zentralsekretär bei einer Pressekonferenz - ist bei der Zeitung vorn der politischere Teil oder hinten? Hinten ist die Werbung: hinten ist der politischere Teil, wenn man unter Politik das versteht, wo massiv auf unser Leben Einfluß genommen wird. Die großen Medien im Kapitalismus produzieren nicht nur Werbung für die Waren, sondern gleich auch Konsumenten für die Waren. Leser, die Konsumenten sind, tragen der Zeitung mehr als doppelt soviel ein wie Leser, die nur Leser wären (siehe oben!).

Die großen Medien deuten den Menschen nie auch nur den Verdacht eines Auswegs aus den herrschenden Zuständen an. Das Gefühl des Betrogenwerdens, der Ohnmächtigkeit, des Ausgeliefertseins, das in den politischen Redaktionen Tag für Tag erzeugt wird, ist die denkbar beste Unterlage für die Werbe-Industrie. Die Zeitung, die vorn keine Befriedigung in Aussicht stellt, kann hinten mit den süßesten Glücksversprechen zuschlagen: Gleiches Recht für alle, schlag dir das aus dem Kopf, das wirst du nicht finden, nimm dir eines der neuen flotten Sofas von kika!
Wenn dieser Schmäh gelingt, ist dafür gesorgt, daß die politischen Verhältnisse für uns immer unbefriedigend bleiben, und wir den Fingerhut voll Lebensglück, den jeder Mensch braucht, weiterhin ins Kaufhaus suchen gehen. Auf diese Weise betonieren wir die Zustände ein, wie sie sind. Es gibt ja so viele schöne Dinge, die das Leben für dich bereit hält: eine Zusatzpension mit hoher Rendite, den big foot von Kneissl usw. Wer auf diese Denkbahn gebracht worden ist, wird diesem System, in dem immer die Wenigen das große Geld und immer die Vielen die Arbeit haben, kaum mehr zu Leibe rücken wollen.

Der Kapitalismus deformiert uns alle und macht uns damit ausplünderbar nach Strich und Faden. Bevor unsere Unzufriedenheit einmal politisch wirksam werden kann, wird sie hundertmal mit irgendwelchem Nippes abgefangen. Die Lebenshilfe, die uns gereicht wird, ist eine, die man sich unter die Achseln sprayen kann.

Über unser Leben unter dem Kapitalismus, die Wunden, die er uns schlägt, steht viel in Heft 15. Die tausend Ängste, die er in uns erzeugt und ständig schürt, von der Angst um den Arbeitsplatz und der um den Wohnungsplatz über die um die Zukunft und die vor der Zukunft bis zu der dauernden Angst, Normen nicht zu entsprechen und Anforderungen nicht gewachsen zu sein, diese Ängste bilden das große Einfallstor der Warenindustrie. Werbung baut auf unsere Ängste. Nicht, um sie aus der Welt zu schaffen, sondern um Waren abzusetzen, die uns etwas vormachen. Der Kapitalismus macht Krüppel aus uns, und er braucht uns als Krüppel, um daraus Kapital schlagen zu können. Der Kauf der Kinokarte und der Kauf der Bacardi-Flasche nimmt nichts weg von unserer Unfreiheit, auf daß sich auch die Reifenindustrie und die Suppenindustrie und die Computerindustrie ihrer bedienen kann.
 

Konsumprediger

Zeitschriften wie Basta, Wiener, Wienerin werden von Wirtschaftern auf dem Reißbrett entworfen. Die Vorgabe ist ein großer Warenkorb: Mode, HiFi, Scheckkarten, Schmuck, Reisen, Schlemmereien, Zigaretten, Riechmittel, Uhren, Computer, Möbel, Überseeflüge, Autos, Getränke, Videos, Pasteten, Corsets und vieles andere mehr. Basta & Co. haben auf die Jagd zu gehen auf Käufer von größtenteils überflüssigem und häufig schädlichem Industriedreck. Gefragt ist ein Prospekt mit Geschichtchen auf den leeren Flächen. Die Weiterentwicklung des Moden-Müller-Katalogs. Die Zwischenräume werden mit sogenannten Storys aufgefüllt, die die Leserin und dem Leser den Produkten entsprechend zuschnitzen. Die eingestreuten Blutstorys, die Gewaltgeschichten, die Vagina-Reportagen sollen schocken! Sie sollen die Leser aus dem Gleichgewicht kippen, damit sie diese Verstörung mit einem der beworbenen Luxusartikel auffangen wollen wollen. Auch die mit Dutzenden Fotos inszenierten Neonazig'schichten und die hineingespickten grausigen Haider-Sager fügen sich in diese Strategie ein. Das ist bewußt kalkuliertes Programm.

Die wissenschaftlich erhobene kaufkräftige Leserschaft stellt eine eindeutige inhaltliche Festlegung für diese und andere Medien dar. Um für die Firmen, die hier inserieren, attraktiv zu bleiben, muß thematisch den kauffähigeren (lesenden) Schichten entsprochen werden. Das heißt, keine Hinwendung in Richtung Lehrlinge, Hausfrauen, Arbeiter usw. Die Streuverluste für die inserierende Wirtschaft würden zu groß, die Werbetarife müßten gesenkt werden, die Zeitung würde nicht mehr soviel Geld machen.

Medien stehen auf der anderen Seite. Sie gehen sich nur zu uns das Geld holen.
Dabei schmeicheln sie uns mitunter ein bißchen.

Daß soviel geworben werden muß, zeigt doch, daß wir die Dinge nicht eigentlich brauchen. Als in New York einmal die Druckereiarbeiter 80 Tage lang streikten, erzählt der Schriftsteller E.A. Rauter, erschienen in der Stadt fast keine Zeitungen und damit Inserate. Die Folge war, daß die Geschäftsleute einen Umsatzrückgang von zig Milliarden Schilling hatten. Die Menschen hatten die Waren, die sie eigentlich nicht brauchen, nicht gekauft. Der größte Teil der Wirtschaft dient nicht der Abhilfe von Hunger und Not unten, sondern der Ansammlung von Villen, Yachten, Zinshäusern oben.
 

Wofür wir gut sind

Im Kapitalismus produziert (fast) jedes Unternehmen drauf los. General Motors hat derzeit Millionen Autos auf Halde. Diese Überproduktion stürzt unser Wirtschaftssystem mit einer Regelmäßigkeit, die der in den Naturgesetzen nahe kommt, in Krisen. Da ist die Werbeindustrie so wichtig wie nie zuvor. Sie hat das dauernde gigantische Überangebot an Hosen und Katzenfutter an den Käufer zu bringen. Wenn zuviel Gemüse-Eisklötzchen produziert werden, müssen wir dazu gebracht werden, mehr Gemüse-Eisklötzchen zu fressen. Es ist so, als ob wir, in einen riesengroßen Behälter mit Haferschleim steckend, der dauernd droht, über unserem Kopf zusammenzuschlagen, um uns zu retten, dazu verdammt wären, immerzu diesen Dreck zu fressen. Das ist das, was sich hinter den kunstvoll aufgefädelten Buchstaben M-a-r-k-t-w-i-r-t-s-c-h-a-f-t steckt.

Wenn nicht Fernsehabend für Fernsehabend 38 Mal die Aufforderung "Kauft!" an uns erginge, würden wir nicht funktionieren, und es würde diese wahnwitzige Ordnung zusammenkrachen. Das System kann sich nur halten, wenn es sich weiter in seine Probleme verstrickt. Hier müssen die Medien dran.

Die Zeitung flattert frühmorgens als Keiler ins Haus: "Jetzt billiger!", "Ausverkauf!", "Sichern Sie sich ...!", "Auf zum Endspurt bei ...!", "Sie sparen ...!", "Fragen Sie nach den höchsten Zinsen!", "Profitieren Sie vom ...!", "Buchen Sie jetzt ...!" (TT, 17.1.92). Wenn ein Zeitungsleser das nicht mehr wahrnimmt, heißt das ja gerade nicht, daß er dem widersteht. Die Zeitungen sind Befehlsmelder aus den Zentralen hinauf auf den letzten Hof: Kauf! Iß! Fahr! Nimm!

Wir werden auf Konsumenten gequält. Wir werden dauernd am Bauch oder am Genital gekitzelt. Was hier mit uns aufgeführt wird - von der "Motivforschung" über die unterbewußte Werbung bis zum regelrechten Kaufterror -, würde noch besser in eine offen faschistische Diktatur passen.
Der Druck, zu konsumieren, der nie nachläßt, vom Ö3-Wecker bis zum späten Fernsehabend, soll uns auch dazu drängen, mehr (für andere) zu arbeiten, um uns mehr Dinge leisten zu können.

Die Werbung, der wir auf der Straße nicht und nicht in den eigenen vier Wänden auskommen ("Ich mach' mir solche Sorgen um den Sgonz!", "Wenn i nur aufhör'n könnt, aufhör'n könnt, aufhör'n könnt!"), zeigt uns, wie sie uns haben wollen: saudumm! Befehlen folgend ("Holen Sie ...!", "Nützen Sie ...!", "Verlangen Sie ...!" - TT, 29.6.91) - was sich politisch nutzen läßt: "Wählen Sie ...!", "Vertrauen Sie ...!, "Stimmen Sie ...!" Werbung reduziert uns aufs Vieh. Was auch politisch Sinn gibt: Wir sind als Stimm-Vieh weiterverwendbar.

Demokratie bräuchte aktive, entscheidungsfähige, selbständige Menschen. Die Industrie braucht passive, willige, gleichförmige Masse. Werbung in den Medien stellt sie her.
 

Kleines Beispiel Transitverkehr

Wenn es heißt, die Österreicherinnen und Österreicher wollen keine schmutzigen Arbeiten mehr machen, das überlassen sie lieber den Ausländern, stimmt das einfach nicht. Für die allerschmutzigste Dreckarbeit, die es gibt, das Anschmieren der eigenen Bevölkerung, finden sich reinrassige österreichische Redakteure genug.
Sie stellen sich niemals dem entgegen, was von oben ausgegeben wird, sondern prügeln es mit Schlagzeilen in die Leute hinein. Nicht aus Lust, könnte man sagen, sondern aus Pflichtbewußtsein, wenn das eine Entschuldigung wäre und nicht erschwerend! Sie haben die Lügen, die sie lügen, nicht selbst erfunden, ist vielleicht jemand versucht verteidigend einzuwerfen - - -. Nein, auch die, die ihr Sturmgewehr ergreifen, haben es in den allermeisten Fällen nicht selbst erfunden.
Wie die, die unter dem Gas in den Wohnstuben, dem Motorengedröhn in den Kinderzimmern, dem Blei in der Salatschüssel leiden, verarscht werden, zeigen die Jahr für Jahr neuformulierten Propagandalosungen, die in jeden Winkel des Landes hinausgetragen werden:

1984: "In der ersten Verlagerungsphase soll bis 1989 etwa die Hälfte der jährlich durch Österreich transportierten Tonnage durch den Ausbau bestehender Transporttechniken von der Straße auf die Schiene verlagert werden." "In einem zweiten Schritt sollen bis 1994 die Voraussetzungen geschaffen werden, den gesamten Lkw-Transitverkehr auf die Schiene zu verlegen." (TT, 4.7.84)

1985: "Bis 1990 soll die Bahn auf der Brennerstrecke das gegenwärtige Lkw-Aufkommen von täglich 3200 EG-Lastwagen aufnehmen können." (Süddeutsche Zeitung, 9.10.85)

1986: "Bereits in fünf Jahren können 60 Prozent des heutigen Lkw-Verkehrs von der Straße auf die Schiene verlagert werden." (TT, 6.11.86)

1987: "Straßentransit wird bis 1992 halbiert" (TT-Titel, 8.8.87)

1988: "Bis 1992 sollen auf der durch Transitverkehr schwer belasteten Brennerstrecke 1600 Lkw pro Tag auf insgesamt 100 Zügen durch Österreich befördert werden." (Presse, 16.3.88)

1989: "Lkw-Transitvolumen wird reduziert" (TT-Titel, 25.4.89)

1990: "Statt bisher 4000 sollen (im Jahre 2000) nur noch 1900 Lkw auf der Brennerstrecke pro Tag verkehren. Das sieht ein vom Verkehrsminister erarbeitetes Plafondierungsmodell vor." (TT, 6.12.90)
Iewo!

Versprechen dieser und ähnlicher Art gibt's nicht einmal, zweimal im Jahr, sondern zehnmal, zwanzigmal, was red ich: zweihundertmal im Jahr. Abgesehen davon, daß echte Ursachen und leibhaftige Verursacher dieser Menschenquälerei (bei Gott sind's nicht der Straßenbelag oder die Motorbremsen) beharrlich verschwiegen werden, weil die Wahrheit einfach zu gefährlich ist.
Wir befinden uns in einer politischen Tretmühle, gegen die der Terror auf den Straßen sich noch human ausnimmt. Wer unter solchen Medien zu leben hat, braucht keine Feinde in Brüssel.
 

Die Foltermaschine:

heiß: "Transitverkehr: EG will jetzt verhandeln" (Kurier-Titel, 18.7.87)

kalt: "Tiroler Transitsorgen sind der EG egal" (TT-Titel, 13.8.87)

heiß: "Vor konkreten EG-Transitverhandlungen" (TT-Titel, 9.12.87)

kalt: "Transit: EG verkennt Ernst der Lage" (TT, 6.6.88)

heiß: "EG hat Verständnis für Transitproblem" (NTZ-Aufmacher, 18.2.89)

kalt: "EG bleibt beim Straßentransit hart" (TT-Titel, 15.3.89)

heiß: "Aufweichung in der starren EG-Haltung" (TT-Titel-Teil, 25.4.89)

kalt: "Transitfronten sind weiterhin total verhärtet" (TT-Titel, 28.2.90)

heiß: "EG zeigt nun Einlenktendenz" (Kurier-Titel, 19.3.90)

kalt: "Transitverhandlungen sind total blockiert" (TT-Titel, 28.3.90)

heiß: "Mock ortet positives Umdenken in der EG" (TT-Titel, 21.6.90)

kalt: "Tirols LH Partl wirft EG mangelndes Verständnis vor" (SN-Titel, 25.2.91)

heiß: "Transit: EG denkt um" (TT-Hinweis auf S. 1, 13.4.91)

kalt: "EG will Lkw-Transitverkehr ausweiten" (TT-Titel, 25.4.91)

heiß: "EG lenkte bei Maximalforderungen ein" (TT-Untertitel, 16.5.91)

kalt: "Ultimatum der EG bei Transit" (TT-Zwischentitel, 31.5.91)

heiß: "Transit: EG akzeptiert Vorrang für die Bahn" (Kurier-Titel, 14.10.91)

kalt: "Transitvertrag: Partl warnt EG" (TT-Titel, 25.3.92)

Usw.
Das ganze geht genau so lang, wie wir es uns bieten lassen.

In FÖHN 13/14 haben wir unter dem Titel "Die Lügenmaschine" fünf Seiten lang Politiker-Versprechungen zur Überwindung der Lkw-Pest aufgelistet, die die abgerichteten Medien brühwarm hinausgetragen haben - und von denen keines das Zeitungspapier wert war, auf dem es geschrieben stand. Soll ich sagen, sie haben nicht gelogen, sie haben - sich geirrt? Könnten wir den solche Blätter, die sich pausenlos irren, eher brauchen?
Das wichtigste an der "Information", die uns heute aufgetischt wird, ist, uns damit die von gestern vergessen zu machen. So abseitig sie auch gewesen sein mag, so gefährlich könnte eine Gegenüberstellung mit der heutigen doch sein. Es gibt kein stilleres Grab für ein Politiker-Wort, als die Zeitung von gestern, keine sichere Entsorgung für eine in die Mikrofone gelogene Ankündigung eines Landeshauptmannes oder Ministers als das ins Archiv getragene Magnetband der vorigen Sendung.
 
 

Ein Musterbeispiel dieser Gattung

Ein Bückling der Extraklasse mit zweifachem Wendehals gelang dem Chefredakteur des Tirol-Kurier, Herwig Schmidl, anläßlich des "Transitvertrages" mit der EG. Zuerst kommentierte er diesen so: Es "werden künftig mehr Lkw durch Tirol fahren", "Streichers Vertrag mit der EG keine Meisterleistung", "nächstes Jahr schon acht Prozent mehr Lkw durch Tirol", "alle bisherigen transithemmenden Maßnahmen für die Katz". (Kurier, 15.10.91) Für den Tag, da ein Sonderlandtag über diesen "Transitvertrag" abzustimmen hatte, hat Schmidl seinen Kommentar umgeschrieben: "Der künftige Zuwachs an Gütertausch zwischen Süd- und Nordeuropa wird den Weg über die Schiene nehmen müssen." "Nun werden heute die beiden Großparteien, die ja auf Bundesebene in einer Koalition verheiratet sind, dem Landtag empfehlen, dem Transitvertrag zuzustimmen". "Vorderhand wird Tirol mit dem Transitverkehr leben können." (Kurier, 5.11.91) Als die Gefahr der Ablehnung durch die Tiroler Abgeordneten vorbei ist, also am Tag darauf, schaut alles wieder ganz anders aus: "Indizien wecken einen fürchterlichen Verdacht; Österreich will in die EG, und zwar mit dem Schnellzug." "Deshalb wurden die Tiroler Großparteien von ihren Wiener Zentralen in die Mangel genommen - und sie haben nachgegeben." (Kurier, 6.11.91)

So eine Drucksau, möchte man sagen, aber man sieht, es war notwendig.
Ein Jahr keine "Tiroler Tageszeitung", ein Jahr kein "Tirol-Kurier", kein Radio Tirol aktuell, kein Tirol heute, und die Tirolerinnen und Tiroler selbst hätten "ihr Transitproblem" gelöst. Was natürlich mit allen Mitteln verhindert werden muß!

Die Aufgabe der Medien dabei: Hinhalten der leidenden Bevölkerung, Machbares als unrealistisch darstellen, Utopien vorgaukeln, Schicksalhaftigkeit einreden, in technische Diskussionen verstricken, über die jeweils nächsten Wahlen drübertäuschen, die Empörung umlenken, den Widerstand kontrollieren, das Thema totreden, uns das Hirn mit Werbewörtern (Flüsterasphalt, umweltfreundlich, lärmarm, Ökopunkte) verkleben usw.

Mit Händen zu greifenden Schwachsinn, bei dem sogar die Druckmaschinen drohen zu bocken, haben sie auf Titel-Größe aufzublasen: "Partl: 'Transitbollwerk geschaffen'" (TT, 16.8. 89) oder "Partl: 'Tiroler David besiegt EG-Goliath'" (Kurier, 23.10.91). Wo zwei zusammentreffen, haben sie einen Transitgipfel zu melden, wenn's sein soll, alle vierzehn Tage wieder. Sie haben Hearings und Enquetten einzuklatschen, Tunnel-Symposien hochzujubeln und jedes Jahr einen Transit-Sonderlandtag mitzuinszenieren als den, bei dem "die Entscheidung fällt". Bei dem natürlich ein Dreck fällt.

Das ist alles sehr aufwendige Arbeit, die viel menschenfeindliche Schreibe braucht, um wenigstens für einen Tag zu helfen. Der Chefredakteur mit seinen vierzig Blauen wohnt im ruhigen Innsbrucker Mittelgebirge (in Kuckucksrufweite des Landeshauptmannes) und kann nicht klagen.

Ob einer etwas gesagt hat, und was der andere drauf gesagt hat, und ob der ÖVP-Dings dafür oder der SPÖ-Dings mehr dagegen ist, mit sowas haben sie uns vollzustopfen. Natürlich sind das alles Verbrechen. Aber welcher Paragraph in dem von ihnen gemachten Paragraphenbuch hilft? Mit zwei Statistik-Kurven könnte man zeigen, wie im gleichen Maße, wie der Transitverkehr gesteigert wurde, der Lügenausstoß gesteigert wurde. Eine endlose Nasführerei: Der Landeshauptmann bleibt hart, der Minister droht, der Landtag fordert, der Bund lehnt ab. Alles Lug und Druck.

Das braucht ein ganzes Rudel von auflagenstarken Zeitungen. Das muß ständig da und muß ständig dort stehen. Tausendfach haben die Hurenblätter z.B. wiederholt, daß der "Transitvertrag" mit der EG eine Verminderung der giftigen Abgase um mehr als 50 Prozent bringen werde, wo er doch nach den Experten allerbestenfalls eine um 4 (vier!) Prozent bringen kann. Gewiß, wir leiden unter dem Druck der EG-Konzerne, aber wir leiden zuallererst unter dem Druck "unserer Herren". Der Rock kratzt, aber unmittelbar kratzt das Hemd.
Medien sind ein Herrschaftsinstrument.
 

Wer zahlt, schafft an. Frage: Wer zahlt?

Um hinter diese Transit-Artikel zu kommen, brauchen wir in der Zeitung nur ein paarmal umzublättern. Da haben wir es schwarz auf weiß, klar und deutlich, bereits für den Unterricht in der Unterstufe bestens geeignet.
Die Inserate der Autoindustrie und des Autohandels sind nicht zu zählen, höchstens eine Woche lang, höchstens in einer Zeitung. Dazu käme die Zubehör-Industrie, der Ölhandel usw. - lassen wir das, bevor wir anfangen. Wir sehen die Sonderbeilage zum Internationalen Autosalon und die Neueröffnung des Generalimporteurs, die Sonderbeilage für Zweiräder und die für Allradfahrzeuge usw. Viel Papier, viel Geld. Jede Tageszeitung hat ihre regelmäßigen Sonderbeilagen über Lkws: In den Salzburger Nachrichten heißen sie "Nutzfahrzeuge / Transportwesen", im Kurier "Transport & Nutzfahrzeuge", in der Tiroler Tageszeitung "Nutzfahrzeuge". Meist acht, zehn oder mehr Seiten stark, gespickt voll mit Annoncen (MAN, Mercedes, Steyr, Volvo, Iveco, ...) Häufigkeit je nach Bedarf, im Kurier mitunter auch jeden Monat.
Wir kennen die ganzseitigen Werbe-Einschaltungen der Brennerautobahn in den Tiroler Zeitungen und die ganzseitigen der Tauernautobahn in den Salzburger Zeitungen. Eine bunte TT-Beilage der Felbertauernstraßen AG stützt die Berichterstattung über die Felbertauernstraße ab. Und auch jede Autobahnabschnitt-Eröffnung bringt mit Sonderseiten voll Baufirmen-Anzeigen was ein. Beispiel: Freigabe des Roppener Tunnels: Oberländer Rundschau (4.7.90), Blickpunkt (4.7.90) TT (6.7.90).

Als der Verkehrsminister besonders unter Druck kam, gabs für die Zeitungen ganzseitige Anzeigen aus Steuergeldern, in denen uns dies und das versprochen wurde. Auch die ÖBB kaufen regelmäßig Tageszeitung ("Wir haben 50.000 Lkws über den Berg gebracht",TT, 26.1.91), wenn sie nicht lieber gleich deutlich werden und eine Sonderbeilage (z.B. TT 28.1.89) zahlen. Immer wieder liegen der Tageszeitung sündteure aber preiswerte (Preis-Leistungs-Verhältnis) Sonderteile der heimischen Groß-Transporteure Troll, Unitrans u.a. bei. Die hustenden Kinder von Schönberg haben eben noch keine achtseitige Farbzeitung zur TT gelegt wie "Intermontana - Der europäische Transporteur" (22.6.91).
Die heimischen Transitgewinnler führen jedes Jahr einen "Tag der offenen Lkw-Türe" ab, den sie landauf landab (vom Kurier bis zur Oberländer Rundschau) mit großflächigen Einschaltungen ankündigen. Bei der TT wird eine acht- bis zwölfseitige Zeitungsbeilage, randvoll mit Werbung und Transitpropaganda gekauft. Wenn's besonders eng wird, nimmt die Transportlobby ein bißchen Kleingeld aus dem Sack und gibt eine Runde halb- bzw. ganzseitige Inserate an alle auflagenstarken Tiroler Zeitungen (von der TT bis zum Blickpunkt) aus: "Der Lkw. Der Truck. Der Fortschritt." (März/April 1987). Gleichzeitig - und wir blättern wieder nach vorne, zu den Transitberichten - veranstaltete die "Fachgruppe für das Güterbeförderungsgewerbe in der Tiroler Handelskammer" eine "Pressewerbefahrt für den Lkw". Ein "Werbeberater Oskar Czapek" hatte die Idee zu diesem "publizistischen Paukenschlag": "Journalisten fuhren mit Tiroler Trucks", "Vertreter von ORF, Tages-, Wochen- und Bezirkszeitungen" (Tirols Wirtschaft, 28.3.87). Was sich, wie ausgerechnet, so breit wie positiv in den Medien niederschlug (z.B. 1/3-Seite in der TT, 20.3.87, z. B. 1 Seite im Blickpunkt, 1.4.87).

Und was hältst du dann von den manchmal ein wenig kritischen Andeutungen zwischen den Zeilen? Ich seh darin keine Drohung, sondern einen Wink. Wenn man die Frächter ein kleines bißchen, in einem Kommentar vielleicht einmal, mit dem Gift, dem Gestank, dem Lärm, die sie produzieren, in Verbindung bringt, werden sie sicher noch eher bereit sein, sich mit Inseraten zu engagieren. Das bringt Cash. Und um den geht es.
 

Zur Preislage des Journalismus in Österreich

Wenn's um den Fremdenverkehr in Tirol geht, gibt's oft einen unversöhnlichen Disput - wie den folgenden:

"Das Inntal von Telfs bis einschließlich Kufstein ist - von einigen Ausnahmen im Unterinntal abgesehen - krank." *

"Nicht jeder, der aus Gründen des Umweltschutzes die Öffentlichkeit alarmiert, hat die Weisheit und Wahrheit gepachtet."**

"Der Pistenbau wird mit einer erschütternden Sorglosigkeit betrieben, wobei unverzeihliche Sünden gegen die Umwelt und den Landschaftsschutz begangen werden." *

Die Seilbahnen mit ihren Pisten sind nicht nur Landschaftsfresser, sondern Teil unserer Heimat, an ihrer Erhaltung ebenso interessiert wie der Umweltschutz." **

"Die Natur fährt auf Skiern in den Tod" *

"Der technisch erzeugte Schnee schützt den Rasen eindeutig .... und verbessert sogar mancherorts den Grasbewuchs." **

"Der Ausverkauf unberührter Gletscher an den Lifttourismus treibt dem Höhepunkt zu." *

"Die Pioniere haben mit dem Einsatz ihrer Existenz Risikounternehmen gegründet, die bewirkten, daß vermutlich 50.000 Tiroler im Lande bleiben konnten und nicht nach Amerika auswandern mußten." **

"Nach vorsichtigen Schätzungen gehen jährlich an die 100 Grundstücke, Appartments oder Häuser in holländischen Besitz über." *

"Der Trend läuft in die andere Richtung. Viele Deutsche bieten ihe Tiroler Freizeitobjekte zum Verkauf an." **

* Zitate stammen aus dem Kurier vom 25.9.77, 16.10.77, 16.10.77, 7.4.79 und 28.5.78

** Zitate aus Tirols Wirtschaft vom 14.12.85, 14.12.85, 2.3.90, 22.6.90 und 18.6.88
 

Und so weiter.

Der Herr, der am Tourismus kaum ein gutes Haar läßt, heißt Robert Vinatzer und war Redakteur des Tirol-Kurier. Der, der die Kritik wegwischt wie nix, ist Redakteur der Handelskammerzeitung Tirols Wirtschaft - und heißt ebenfalls Robert Vinatzer. Es ist ein und dieselbe Person, die hier schreibt: u.a. gegen die Schäden des Fremdenverkehrs zwischen 1977 und 1979, als sie noch nicht so arg sind, u.a. gegen die, die über diese Schäden reden, als diese noch ärger sind, zwischen 1985 und 1990.
Was hat sich denn geändert von 1980 auf 1990? Antwort: Die Gage. 1985 wurde Herr Vinatzer von der Tiroler Handelskammer als Redakteur erworben. Und hinterm neuen schönen Schreibtisch hervor sieht jetzt alles ganz anders aus. Eigentlich sei Herr V. gar nicht so, sondern nett, rücksichtsvoll und naturliebend, sagt man mir. Was eine Entschuldigung sein möchte, kommt einem Todesstoß gleich: Ja, warum tut er's dann?
 

Dienstlinge, Höflinge, Katzbuckler, Krümmlinge, Weihräucherer

Journalisten sind von der Redaktionsstube aus darauf trainiert, so zu können und so. Beidseitig verwendbar, je nach Bedarf. Das ist der Grund, warum sich große Unternehmen Zeitungsredakteure als Pressereferenten holen: Die Bundeswirtschaftskammer hat sich nach dem Kurier-Chefredakteur Feichtlbauer jetzt den Profil-Chefredakteur Voska geangelt, Swarovski hat den TT-Chefredakteur Nayer genommen, die TIWAG den TT-Wirtschaftsredakteur Neudecker, die Tiroler Arbeiterkammer den TT-Ressortchef Schiffkorn, und die Stadt Innsbruck hat den Umweltredakteur Eizinger (TT, später Kurier) nötig gehabt, den jetzt die Dreckluft über der Stadt, das desolate Klärwerk, die Verkehrsmalaise nicht mehr beißt.

Ein Herr Branimir Soucek (früher Mitarbeiter der Presse und Redakteur des Kurier) schrieb als Herausgeber eines Buches über den Transitverkehr in Tirol ("Transit - Zwischen überrollen und überleben") 1989: ""Wir stehen vor einem der größten Probleme der heutigen Gesellschaft und damit der Politik. Autoschlangen, 'Brummis'-Geräusche, Donnern der Autobahnzüge, sterbende Bäume, verseuchte Trinkwasserquellen, Staub- und Smogwolken in den Tälern ..." " ... man wird einiges opfern müssen: Abschied nehmen beispielsweise von der heiligen Kuh Auto, Fahrzeuge als Fortbewegungsmittel nur bei echtem Bedarf einsetzen, Grenzen des Bewegungsspielraumes in Sachen Wirtschaft bedingungslos anerkennen, Umwelt als entscheidenden Wirtschaftsparameter voll akzeptieren, Lebensqualität neu formulieren usw., usw."
Was die Brenner Autobahn AG dazu sagt? Sie hat den guten Mann Monate drauf aufgekauft. Und der Mann hat sich lassen. Er ist jetzt Pressereferent der Brenner Autobahn AG und hilft ihr wahrscheinlich von seinem warmen Pöstchen aus dabei, Abschied zu nehmen von der heiligen Kuh Auto.
Anfang der 80er Jahre hat ein junger Journalist namens Burkhart List im Rennbahn Express aufgedeckt, daß die Wiener Firma Immuno AG Affen für Versuchszwecke aus Afrika importiert. Wenn wir seitdem nichts mehr von Herrn List gehört haben, liegt das daran, daß er vom Fleck weg von der Immuno AG als P.R.-Mann engagiert worden ist. (Cash Flow 10/89)
Lassen wir die, die in den Himmel aufgefahren sind, und reden wir von denen, die noch in den Redaktionsbüros auf dieses erhebende Ereignis warten.
 

Vor dem Essen - Nach dem Essen

Ein Beispiel für andere Beispiele. Vor Tisch hatte sich einer viel vorgenommen:

* "Ich wünsche mir, gegen all diese Typen kämpfen zu dürfen. Man muß das System aus ihm selbst verändern, ohne sich vom System verändern zu lassen." (15.5.80)
* "Die Weihrauchfässer ... rauchen seit Jahren. Die Ständchen, die von den 'kritischen' Autoren - speziell in Tirol, dennoch allgemeingültig - für die Herrschenden gesungen werden, die sich dieser - leider vielen - Damen und Herren 'Dichter' bedienen, indem sie sie bedienen, gehören demaskiert." (18.6.80)
* "Die mächtigen Leute werden (zu Andreas Hofers Todestag, in Tirol - Anm.) einen Haufen Scheiße gequatscht haben und ihr Gefasel wird in die Federn der Hofberichterstatter geflossen sein." (20.2.80)
* "Es gilt mehr denn je Grenzen des Demokratieverständnisses, Manipulationen und - verzeih - Korruption in Form von kooperativem Mafiageist (Turmbund, Pfaundler, TT, Prior u.a.m.) aufzuzeigen. (...) Ich will, wo's nottut, gerne 'dissident' sein. An Mut fehlt's mir nicht." (15.6.79)
* "Mit Freude reib' ich mir die Hände darüber, daß die Kulturpäpste Tirols - Forum, Turmbund, Weiermeier, Kuderna u. Co. - weiterhin ihr eigenes Grab schaufeln. Sei versichert, daß ich mich - und sei's allein - voll mit ihnen anlege." (14.10.79)
* "Mir persönlich kommt es nur darauf an, zur Veränderung der Welt beizutragen."
* "Wo wir, das Volk, herrschen sollten, herrschen, - beherrschen uns -, Zwänge, deren Durchschaubarkeit letztendlich nur noch durch die Medienlandschaft in diesem scheißgeliebten Bergland Tirol unmöglich ist." (14.10.79)
Und so weiter.

Diese bisher unveröffentlichten Bekenntnisse und Ankündigungen stammen von Werner Winfried Linde (Originale auf Wunsch einsehbar). Bei Tische mit "diesen Typen", die "demaskiert gehören", diesen "Hofberichterstattern", mit denen er sich "voll anlegen" wollte, las man's dann anders. Linde hat es sich Ende der 80er Jahre in der "Medienlandschaft" Tirols bequem gemacht, und fortan klang es so: "Die sogenannten 'Progressiven' glauben, sie könnten Patrioten als ewiggestrig denunzieren" (Kurier, 18.1.92). Wo er vorher noch "Mafiageist (Turmbund, ...)" am Werk sah, erkannte er es nun besser: "Der Turmbund gilt als Zentrum der 'spirituellen Poesie' (...) Während sie modernistischen Tiroler Gemanisten diese Bewegung negieren, ist die internationale Resonanz immer schon beachtlich gewesen." (Kurier, 17.11.91) Linde, der einst (11.5.80) ankündigte: "Ich versuche ein Mensch mit Rückgrat zu sein", schreibt jetzt für Geld (über einen der schleimigsten, verschlagensten, scheinheiligsten Politiker) unter dem Titel: "Hermann Girstmair als der humane Vordenker": (Es) könnten sich viele Literaten hierzulande einiges an Erfahrung für die Zukunft aus den Worten eines Dichtermandatars herausholen." (Kurier, 27.1.90) Die ungustiöseste Figur im Tiroler Fremdenverkehr beschreibt er so: "Heinrich Klier (...) ist einer, der zu den Nachdenkern über die Tourismus-Zukunft gehört, was nicht verwundert. (...) Die Stubaier Gletscherbahn ist ein Aushängeschild Tirols. Kein exzessiver Erschließungswahn, sondern die Eröffnung hochalpiner Welten ..." (Kurier, 27.4.91). "Tourismus bringt Wohlstand", schreibt er an anderer Stelle. "Tourismusauswüchse findet man in Seefeld nicht. (...) Seefeld ist ein Traumdorf im Herzen der Alpen." (Kurier-/Krone-Beilage "Shopping in Tirol", 20.1.92) Geld hat doch eine sehr belebende Wirkung. "Ja, da schaut sich alles gleich ganz anders an", wie Bert Brecht sagt. "Voller schlägt das Herz. Der Blick wird weiter. / Reichlich ist das Mahl. Flott sind die Kleider. / Und der Mann ist jetzt ein andrer Mann."
Jeden zweiten Tag demonstriert Linde das auf die hölzernste Art. Wenn einer, wie bestellt, "Eine Beschneiungsanlage tut not, damit Innsbruck-Igls als Region nicht in Not gerät." schreibt (Kurier, 22.12.90), oder "Die 'Zillertaler Schürzenjäger'- eine Lebenseinstellung. (...) Schürzenjäger ist eine Weltanschauung." (Kurier, 29.2.92), was soll man dann sagen? Nichts. Ich wollte dazu auch gar nichts sagen - nur zeigen: so ist es.

Verlassen wir die Niederungen des regionalen Pressepacks und steigen wir zum Klüngel auf der nationalen Ebene hinunter. Vor wir zu den Lieblingen aus Funk und Fernsehen kommen, greifen wir uns ein Musterexemplar aus der Profil-Redaktion. Georg-Hoffmann-Ostenhof, Leiter des Resorts Außenpolitik, in Österreich gewiß Bushs treuester Trommler zum Krieg gegen den Irak (über 100.000 tote Menschen), damals noch in der AZ: "Was für eine prachtvolle Organisation den Krieg vorbereitete (...) Wie brillant hatten doch die USA den Krieg vorbereitet." (AZ, zitiert nach Moderne Zeiten, Juni 1991). In den 70er Jahren nannte er das noch "die imperialistische Großmacht USA". Er rief "Ausbeutersystem", "internationale Kapitalistenklasse" und anderes mehr. Hier soll nicht der Eindruck aufkommen, der Unsinn von damals sei viel gescheiter als der, den er heute verzapft. Hier soll nur die Halswendigkeit zum besten gegeben werden. Hoffmann-Ostenhof, der frühere "revolutionäre Marxist" und Redakteur der "rotfront" gerät 1990 ins Schwärmen: "Deutschland wird noch heuer vereinigt. Berlin, pulsierende Hauptstadt, Goethes Weimar, altdeutsche Landschaften ... Da tauchen verschüttete Wunsch- und Traumbilder auf, die man sich nach Hitler verboten hat. Aber nicht nur Nostalgie wird wach. Auch die Freude am Abenteuer. (...) Wirklich fürchten vor den Deutschen muß man sich, wenn sie frustriert sind. Also freuen wir uns mit ihnen." (AZ, zitiert nach Moderne Zeiten, Juni 1991). Der, der wegen der in die Hose gegangenen EXPO-Volksbefragung jetzt die Leute dumm nennt und alles, was er hat, also soviel wieder nicht, in die Schlacht für den EG-Anschluß wirft, trat bevor das große Geld lockte, ganz anders auf: "Gegen die imperialistische Politik der österreichischen Bourgeoisie muß der proletarische Internationalismus gesetzt werden!" Usw. (Alle Zitate aus Hoffmann-Ostenhofs früherem Leben: Neues Forum, Sept. 75)
Journalisten kann man kaufen wie - Wellensittiche und Papagaien. Nein, Wellensittiche und Papagaien können sich nicht wehren dagegen. Journalisten auch nicht, das ist kein Unterschied. Die Viecher sind billiger. Sagtest du b oder w? B ja, w nein.
 

Bekannt aus Funk und Fernsehen

Was hier gezeigt wird, ließe sich genauso gut an Beispielen aus der Politik abhandeln, mit Fischer und mit Cap, mit Schüssel und mit Haider. Die Lehre die drinnen steckt ist: Vertraue nie denen, die dir sagen, sie würden etwas in Vertretung für dich tun. Glaubt es nie! Glaubt auch ja nie, der FÖHN könnte etwas für euch tun, anstatt euch! Deine Schuhe laß den Schumacher flicken, deine Hose bring zum Schneider, wenn sie dir nicht paßt, aber deine Zukunft gib nie aus der Hand!

Franz Kössler (1951 geboren in Eppan / Südtirol, seit 1980 beim ORF), der uns heute Tag für Tag Fernsehbeiträge vor der Kulisse des Weißen Hauses aufsagt, hatte eigentlich für sein Leben ganz was anderes vor. In den 70er Jahren reizte es ihn noch nicht so, die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft aufrecht zu erhalten, sondern er sah die "Notwendigkeit, sie im Sozialismus aufzuheben". "Verantwortungsbewußte Lehrer müssen gemeinsam mit ihren Schülern die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft durchdenken. Die praktische Auflösung muß im Kampf mit dem Proletariat vollzogen werden." Franz Kössler hat dies seinerzeit unter dem Decknamen Florian Fiedler in der Zeitschrift der Südtiroler Hochschülerschaft Skolast geschrieben (Nr. 2/71). Was er damals unter falschem Namen geschrieben hat, ist richtiger als das, was er heute unter seinem richtigen schreibt. Eigenartig. Das Richtigere hat er sich gescheut unter seinem wirklichen Namen zu schreiben, beim absolut Falschen kennt er keine Hemmung mehr.
Man stelle sich vor, er talkte jetzt ausgerechnet aus dem Fernseher heraus: "Der Monopolkapitalismus setzt seine Interessen durch, da ihm die technischen Mittel zur Verfügung stehen, den Menschen selbst in seinen Wünschen zu bestimmen." "Der Kampf gegen ... kann nur gleichzeitig mit dem Kampf gegen den Kapitalismus geführt werden." (Skolast 2/71)

Veronika Seyr (geb. 1948 in St. Nikola / OÖ., seit 1984 beim ORF), die heute von Belgrad aus die richtigen Worte über die um das alte Jugoslawien raufenden kapitalistischen Staaten (Deutschland, USA, Großbritanien, Frankreich, Italien, Österreich u.a.m.) nicht findet, nannte das, was sie heute ist, in den 70er Jahren einen "Bourgeois-Schreiberling". Heute braucht niemand mehr Angst zu haben, daß Frau Seyr vielleicht nicht das sagen könnte, was die Herren auf dem ORF-Küniglberg von ihr hören wollen. Mit "Speichellecker" tat sie 1977 sowas noch im 'Organ des Kommunistischen Bundes Österreichs' ab (Kommunist 5/77). Damals zeterte sie gegen "die das Atomkraftwerk bauenden Kapitalisten", "die lokalen Vertreter der Bourgeoisie (Bürgermeister, Pfarrer, u.ä.)", den "reaktionären Bauernbund" usw. Diese Meinung vertrat sie damals gratis. Die, die sie heute verbreitet, verbreitet sie gegen viel Geld.
Man stelle sich vor, Frau Seyr vergäße, was sie beim ORF gelernt hat, und aus der Zeit im Bild tönte solches: "Eine der schlimmsten Geißeln der kapitalistischen Produktion, die Unsicherheit und der Mangel an Arbeitsplätzen, mußte für diesen Betrug (der Zustimmung zum Bau des AKW Zwentendorf) herhalten. Die Werktätigen des Tullnerfeldes müssen sehr lange Fahrzeiten auf sich nehmen, um einen Kapitalisten zu finden, dem sie ihre Arbeitskraft verkaufen können." (Kommunist 5/77)

Karl-Peter Schwarz (geb. 1953, bis 1990 ORF-Korrespondent in Rom) ist schon seit vielen Jahren nicht mehr rückfällig geworden. Früher ging er noch von "der Einheit des Kampfes des chinesischen und des österreichischen Volkes gegen die beiden Supermächte, gegen Imperialismus und Kapitalismus" aus. Auch wenn die Firma Casinos Austria (Salzburg) einen Fußballer von Swarovski (Tirol) kauft, braucht sie nicht zu fürchten, daß er im nächsten Aufeinandertreffen nicht auf ihrer Seite stünde und nicht gegen die andere kämpfte.
"Für die Werktätigen eröffnet der Sozialismus ein neues, menschenwürdiges Leben, das ihre schöpferischen Fähigkeiten voll entwickelt, die im Kapitalismus unterdrückt werden." Sowas ist ihm beim ORF und (seit 1990) bei der Presse nie passiert.
So schräg das gewesen sein mag, was er 1974 (zusammen mit P. Fuchs) in "Ein Besuch in der Volksrepublik China / Reisebericht" an Nachgeplappertem nachgeplappert hat, so unzweifelhaft falsch ist das, was er heute gegen Spitzenhonorar von sich gibt. "Die chinesischen Genossen", berichtete Karl-Peter Schwarz seinerzeit, "sind fest davon überzeugt, daß es dem österreichischen Volk gelingen wird, der Herrschaft durch die Ausbeuter ein Ende zu machen und in der sozialistischen Revolution den Sieg zu erringen."

Raimund Löw (geb. 1951 in Wien, seit 1985 beim ORF, Moskau / Washington) wäre mit dem, was er als "revolutionärer Marxist" von den USA ("der große Weltgendarm des Kapitalismus mitsamt seiner gigantischen Militärmaschine") gehalten hat, nie der geworden, der mit festgezurrter Krawatte und fein getonten Härchen jeden Tag über den Sender geht. Wenn man mir zustimmt, daß in Moskau seit Jahren Hungerterroristen herrschen (Jelzin, Gorbatschow), dann ist jedes Danebenvorbeireden, jedes Nichtdarüberreden, umso mehr jedes Dagegenreden in eine ORF-Kamera hinein ein Verbrechen an der Wahrheit und an den geknebelten Völkern der seinerzeitigen UdSSR. "Als revolutionäre Marxisten wollen wir eine Partei des österreichischen Proletariats aufbauen." "Unser Programm will eine Brücke vom gegenwärtigen Bewußtsein der werktätigen Massen zum Programm einer sozialistischen Revolution schlagen." (Neues Forum, Sept. 75)
Was immer Löw mit diesem Wirrsing gemeint haben mag, näher am Richtigen ist's als das, was er heute Herrn Bacher aus Washington liefert. Wenn es so ist, daß - Wahlen hin und Wahlen her - in den USA eine mörderische Elite ohne Chance auf Absetzung herrscht, dann ist jeder dieser Berichte von Kössler und Löw eine Schweinerei (den Geknechteten in den Wirtschafts- und Militärkolonien der Vereinigten Staaten gegenüber, den lt UNO 32 Millionen Armen im Lande gegenüber und uns gegenüber). Man stelle sich vor, auf dem Zettel, von dem Herr Löw seine Kommentare fast unbemerkt abliest, stünden die Sätze Löws: "Der Kapitalismus hat sich historisch überlebt. Er kann die dringenden Probleme der Menschheit nicht lösen." (Neues Forum, Sept. 75)

Solange das Geld herrscht, wird in den Medien immer das verbreitet werden, wofür am meisten Geld gezahlt wird.
 

Wem gehört die Medien-Freiheit?

Überall dort, wo sie gebraucht würde, gibt es keine Demokratie. Oder ist sie ihnen etwa in der Schule begegnet? Haben sie sie beim Bundesheer schon einmal gesehen? Ist sie Ihnen in der Wirtschaft untergekommen? Oder ist dort Demokratie, wo die Medien-Zaren herrschen? Haben Sie vielleicht schon einen Zeitungsbesitzer abgewählt?
Auf dem Papier hat jeder Staatsbürger das Recht, seine Meinung frei zu äußern und zu verbreiten (Artikel 13, Staatsgrundgesetz). Aber es ist nicht jenes Papier, auf das Paragraphenschlingen gedruckt sind, das mächtige, sondern das, auf das hohe Schillingsummen gedruckt sind.
Die Verfassung gibt in Österreich jedermann das Recht, eine Massenzeitung herauszugeben. Aber die Wirklichkeit nimmt sie ihm flugs wieder weg. Außer einer Hand voll Geldsäcke.
Die Kronenzeitung gehört mehrheitlich einem Wiener Milliardär und minderheitlich einem deutschen Medienkonzern. Der Kurier gehört mehrheitlich dem Raiffeisen-Konzern und einer Gruppe Industrieller und minderheitlich einem deutschen Medienkonzern. Profil detto. Trend detto. Basta detto. Die Ganze Woche gehört einem Wiener Milliardär, genau wie täglich Alles. Die Wochenpresse-Wirtschaftswoche gehört überwiegend einem deutschen Zeitungskonzern. Der Standard gehört wohl dem deutschen Springer-Konzern. Die Tiroler Tageszeitung gehört zu zwei Drittel dem deutschen Springer-Konzern und zu einem Drittel einem Tiroler Milliardär. Usw. Das wäre eine eigene Geschichte.
Die meisten Zeitungen sind von oben auf uns herunter gekommen: Kurier, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung u.a. wurden 1945 von den Besatzungsmächten gegründet und herausgegeben. Der Presse wurde dem Krieg "mit einer Million Dollar drübergeholfen" (Falter, 14.7.89), das Forum wurde vom CIA initiiert und bezahlt. Die Kronenzeitung wurde mit unterschlagenen Gewerkschaftsgeldern aufgebaut. Usw. Auch das wäre eine eigene Geschichte.
 

Gut leben die Zeitungsherren

Besser als es der Kronenzeitung geht, kann es der Kronenzeitung nicht gehen. Oder dem Profil, oder der Tiroler Tageszeitung. Zeitungspapier für sich ist noch kein Geschäft. Erst die kapitalistische Anordnung läßt eines werden damit. Da gibt es ein Bankenwesen und eine Bauspekulation und eine Tourismus-Industrie und ein nimmersattes Handelskapital, und weiß der Teufel was noch alles, wo der Zeitungszar mitschneiden kann. Für ihn muß alles so bleiben, wie es ist. Nein, für ihn muß alles noch mehr so werden wie es ist. Der Kurier ist für ständiges Wirtschaftswachstum, weil nur das ständige Profitvermehrung bedeutet. Jede soziale Besserstellung der Masse stellt eine Gefährdung dieser Zustände dar. Die Artikel in den Zeitungen sind somit auch geschrieben, um den eigenen Besitzstand abzusichern. Die zweihundert Tageszeitungsartikel einer Ausgabe sind also auch Artikel in eigener Sache. Der Kurier ist keine Zeitung. Der Kurier ist eine Firma.
Bei jeder Schandtat, die das Große Geld zu begehen bereit ist - und es ist bei entsprechender Rendite bereit, eine jede zu begehen -, lohnt es sich, mitzugehen. Je mehr dubioses Bankenkapital sich anhäuft, umso mehr Bankenkapital fällt für die Medien ab, je mehr Lebensmittelhändler von Lebensmittelhandels-Haien gefressen werden, desto mehr Schillinge kugeln in den Sack des Zeitungsbesitzers. Jeder in den Lebensraum hineinbetonierte Kilometer Autobahn und jeder aus diesem Lebensraum herausgestohlene Bach stärkt ihn und die seinen durch günstigere Frachten und niedrigere Tarife. Wie jeder Kapitalist zieht der Zeitungszar aus dem Leid, das der Kapitalismus uns zufügt, seinen Nutzen.
Die Wohnungsnot, zum Beispiel, die zu diesem Angerichte gehört, wie, sagen wir, zum Gewitter der Regen, ist seit Jahrzehnten eine Quelle höchster Profite für jeden, der eine flächendeckende Zeitung hat. Die Tiroler Tageszeitung hat aus dem Mangel an Wohnungen in Tirol Hunderte Millionen Schilling Kapital geschlagen! Wenn man sieht, daß der Kurier an einem Samstag "1910 Immobilien- und Wohnungsmarkt-Einschaltungen" bringt, versteht man, was ich meine. Man stelle sich vor, diese von Leuten, die in Not sind, zusammengerafften Gelder wären für den Wohnungsbau und nicht für den privaten Luxus der Zeitungsherren, nicht für deren Kauf von Villen und Mietshäusern verwendet worden!

Die Zeitungsherren widmen der Politik ständig viele Zeitungsseiten. Gratis. Das ist, weil ihnen diese Politik paßt. Die Zeitungsunternehmen tun alles, was die herrschende Ordnung festigt, und unterlassen alles, was sie destabilisieren könnte.
Die Menschen kommen nicht als Kronenzeitung-Fresser auf die Welt. Unser Eingeklemmtsein vorn und hinten, unten und oben, macht uns zu ihrer Beute. Die Zeitung kommt daher wie eine Hilfe, aber sie kommt nur so daher, um die uns zugefügten Beschädigungen weidlich auszunützen. Damit die, die auf die Profil-Gewinnausschüttung warten, ihre Dividende bekommen, ist es nicht nötig, daß sich das Profil unserer Sorgen annimmt. Der Dividende bekommt es besser, wenn es in den Wunden, die uns geschlagen worden sind, herumfuhrwerkt: jedes Bild von einer glitzernden Ware und jedes von einem nackten Oberschenkel erwischt uns dort, wo wir verletzt sind. Die Massenmedien brauchen uns genau so, wie wir sind: fleißig, brav, kauffreudig. Größere Mäuler könnten wir noch haben, und schneller den Darm entleeren, vielleicht. Die Gier, zu der das entfremdete Leben uns treibt, macht uns zu willigen Opfern. Unser Fluchtwille aus dem Unerträglichen ist ihr Geschäft. Wenn im Durchschnitt jeder Österreicher und jede Österreicherin von 0 bis 100 jede Woche 23 Schilling per Lotto in die Hoffnung auf ein ganz anderes Leben investiert, zeigt das, wie wir uns fühlen. Das ist der Boden, auf dem Kurt Falk vier Milliarden Schilling angesammelt hat. Eine Viertelmillion ist in Österreich alkoholkrank, 600.000 sind dran, es zu werden. Das ist gut für's Geschäft. Jeder dritte Haushalt in Österreich ist verschuldet. Das ist gut für's Geschäft. Jede dritte Österreicherin, jeder dritte Österreicher nimmt täglich Medikamente, 110.000 sind von Medikamenten abhängig. Ein gutes Geschäft. Jährlich müssen in diesem Land 15.000 Menschen an Zigaretten sterben. Auch das ein Milliardengeschäft.

Wahre Zeitungsberichte über die Verhältnisse würden dem Geschäft der Zeitungen nicht gut bekommen. Bei Dichands würden heute keine Schieles und Klimts die Villa schmücken.
 

Einen Reichtum, der nicht verdächtig wäre, gibt es nicht

Das Geld der Zeitungsbesitzer ist kleinweis zusammengestohlenes Geld. Die Tyrolia in Innsbruck (Verlag und Druckerei mit einer ganzen Reihe eigener und fremder Zeitungen) z.B. "bezahlt" ihre Lehrlinge unter dem kollektivvertraglichen Mindestlohn. Wie wird ein Zeitungsunternehmen, das die Rechte der eigenen Arbeiter mit eigenen Füßen tritt, sich im Blatt für Lohnerhöhungen einsetzen?

Jede Zeitung lebt vom Billigpreis der fiesesten Arbeit, ob im eigenen Betrieb oder in den Betrieben der Inserenten. Deshalb fällt kein wahres Wort in den großen Medien über den Fremdenverkehr, wie er wütet hierzulande. Der, der mit seiner Zeitung täglich Gewinn einfährt, ist Nutznießer jeder Aushandlung niedriger Löhne, und kann nicht objektiv darüber berichten, ist Nutznießer jeder Unternehmersteuersenkung, und kann nicht objektiv darüber berichten, ist Nutznießer der Zehntausenden Jugoslawen, Türken, Tschechen, Pakistani u.a. in den Hotelküchen und Zimmerklosetts, die dementsprechend auch nur als "genehmigtes Ausländerkontingent" in der Zeitung stehen.

Joseph Stephan Moser hat dafür, daß er unter den fürs Abräumen idealen Verhältnissen mit seiner Tiroler Tageszeitung ideal abgeräumt hat, den Ehrenring der Stadt Innsbruck übergezogen bekommen. Oder hat er ihn und das Ehrenzeichen des Landes bekommen, weil er mit seiner Tiroler Tageszeitung die Verhältnisse fürs Abräumen auch für andere (Stromlobby, Transitlobby, Tourismus-Lobby, Immobilien-Bande, Bauwirtschaft, Großindustrie, Bankenblock usw.) noch idealer gemacht hat? Warum haben ihm die Politiker das Geschenk der "Lex Moser" gemacht, nach dem die bis über beide Ohren verschuldete Stadt Innsbruck keine Inseratensteuer einhebt? Wenn man sich die menschenfeindliche Stadt-Politik anschaut, muß man sagen, daß die damit jährlich verschenkten vielleicht 30 Millionen Schilling nicht zuviel bezahlt sind für die sehr freundliche Berichterstattung.

Ich will damit nur sagen, Demokratie und Objektivität sind nicht gerade das, auf das ein Besitz wie der des Zeitungszaren Moser aufgebaut ist: Werbefirmen, Zeitungsbeteiligungen, Satzstudio, Radiostation, Aktien der landesweiten Kabelgesellschaft, Häuser etc.
 
 
 
 

Wer hat denn das alles ausgemacht? Warst du dabei, als das ausgemacht wurde? Ich nicht. Und ich bin auch nicht einverstanden damit, daß es so bleibt.

Auch das Hinschauen zu den 2.500 Kolporteuren, die elendiger als Tiere gehalten werden, zeigt, worauf Geld und Macht der Zeitungsbarone gründen. Sklaverei in Österreich existiert. Unterstützt von denen, die im Parlament (keine) Gesetze machen und geschützt von denen, die sie (nicht) überwachen. &#142;gypter, Inder, Bangladeshi sind in Österreich nur dafür gedacht, zwischen den an den Ampeln aufgehaltenen Autofahrern als lebende Plakatständer herumzuflutschen, auf daß diese sich da und dort einen Aufmacher herunterbeißen können und auf ihre Zeitung nicht vergessen. Eine tatsächlich verkaufte Kronenzeitung bringt ihnen (oft bei Einsatz ihres Lebens) 1 Schilling. Jeder in der Redaktionsstube auch eines Profil oder einer Salzburger Nachrichten ist Mitgewinnler dieser Zustände. - Was haben Sie so in den Zeitungen über die Löcher, in denen deren Kolporteure hausen, gelesen?
 

Das ganz große Geld dahinter

Wie sich das in Konzernen, in Banken, in Versicherungen, in Kapitalistenvereinen angehäufte Geld Parteien und Sachwalter in den Parteien hält (s. FÖHN 15), so hält es sich für die Besorgung seiner Geschäfte auch Medien und Vertrauensleute in den Medien. Die Meinung der Herrschenden muß ja zur herrschenden Meinung werden.
Nach Pressefreiheit schreit niemand, als wer sie mißbrauchen will." (Goethe) Ein Wunder, daß die Österreichische Industriellenvereinigung mit "einer kräftigen Geldspritze" in die östlichen Nachbarländer hineingefahren ist, damit dort "eine unabhängige Presse mit Zeitungspapier versorgt wird" (Kurier, 30.4.90)?
Wenn die Tiroler Industrie eine "Neue Offensive in der Öffentlichkeitsarbeit" gegen uns in Sachen EG-Anschluß starten möchte, lädt sie sich die Journalisten zum "Pressefrühstück" (Tirols Wirtschaft, 11.6.88). Wenn die Landesgruppe Tirol der Vereinigung Österreichischer Industrieller (VÖI) zum Neujahrsempfang bittet, sind (neben Politikern) die Wirtschaftsredakteure mit am Bankett: 1983 (18. Jänner) wurden 300 geräucherte Forellen und 300 Wienerschnitzel und 300 Pizza und 29 kg Beinschinken und 300 Marillenstruderl und 300 Kirschenstruderl usw. verzehrt und 110 Flaschen Wein und 120 Flaschen Sekt und 3 1/2 Flaschen Sherry und 3 1/2 Flaschen Martini und 5 Flaschen Campari usw. geleert. Warum soll man sich mit Geld nur die hinteren Seiten einer Zeitung, wo das Interesse der Leser schon merklich nachgelassen hat, kaufen können? Die Tiroler Tageszeitung gibt in der Vorabendausgabe, gerade zu dem Zeitpunkt, zu dem der VÖI-Präsident erst das Wort ergreift, bereits seine schauerliche Rede unter dem Titel "Heiss: Betriebe werden ausgeräumt" vollinhaltlich und unkommentiert wieder (19.3.83).

Wenn man's nicht weiß, daß die Industriellenvereinigung tief im Kurier drinnensteckt, dann sieht man's. Der viele Platz, der ihr dort eingeräumt wird, läßt uns ein bißchen was ahnen von der Macht, die sie hinter den Demokratie-Kulissen hat.

Die Presseabteilung der VÖI legt Rechenschaft über die Tätigkeit im Jahre 1990: "Der Ausschuß für Öffentlichkeitsarbeit (...) widmete sich sehr intensiv dem Dialog mit führenden Exponenten aus Redaktionen, Verlagen und Agenturen." (VÖI-Jahresbericht 1990) Dialog ist ein schönes Wort, aber hier scheint es nicht ganz herzupassen. "Sehr erfreulich gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen der Presseabteilung und den Landesgruppen der VÖI in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Es gelingt somit in verstärktem Umfang, Themen, die ein grundsätzliches Anliegen der Gesamtvereinigung darstellen, auch regional zu aktualisieren und den Medien in den Bundesländern in entsprechender Aufbereitung anzubieten." (VÖI-Jahresbericht 1988). Erinnerlich ist auch noch die schöne "zweitägige Jornalistenreise nach Brüssel", zu der die Industriellenvereinigung eine zwanzigköpfige Vetternschaft aus dem Medienbereich geladen hat. Hierher gehört auch der Flug einiger Tiroler Handelskammerherren nach Brüssel, zu dem sich ein paar "maßgebliche Journalisten" (Originalton) mitnehmen wollten, und mit ihren Einladungen dabei just auf solche getroffen hatten, die sich auch mitnehmen ließen: den "ORF-Hörfun-Chef", den "TT-Chef und den "Tirol-Kurier-Chef" (Tirols Wirtschaft, 17.4.92).

"Zahlreiche Einzelgespräche mit Medienvertretern rundeten das Aktivitätenprogramm der Presseabteilung ab." (VÖI-Jahresbericht 1987) Auch die Herren Industriellen in Tirol sind nicht faul: "Die allmonatlichen Branchenstammtische mit den Redakteuren der Tiroler Tageszeitung und des ORF Radio Tirol bewähren sich als informelle Gesprächsrunden über die Entwicklung der Betriebe wie auch der Tiroler Industrie in ihrer Gesamtheit. Die Redakteure schätzen diese Quelle besonderer Information, weil sie dabei betriebliche und wirtschaftliche Zusammenhänge erfahren, die sie sonst erst langwierig recherchieren müßten." (Industriellenvereinigung/Landesgruppe Tirol Jahresbericht 1988) "Die Betriebe ihrerseits stellen fest, daß die gegenseitige Vertrauensbasis Schritt für Schritt wächst, was sich für sie in einer durchaus als 'objektiv' zu bezeichnenden Berichterstattung niederschlägt." (Industriellenvereinigung/Landesgruppe Tirol Jahresbericht 1989) "Wertvolle Schritte (..) konnten u.a. dadurch erreicht werden, daß es gelungen ist, das Thema 'Industrie' als gesamtes in Form einzelner konkreter Betriebe oder auch einzelner Branchen in Unterhaltungssendungen des ORF Studio Tirol immer wieder einzubinden." (Jahresbericht 1989)
Die "Vertrauensbasis wächst", was sich, kleines Beispiel, sichtbar darin niederschlägt, daß die Industriellenvereinigung Jahr für Jahr einen Pokal für das ORF-Schirennen springen läßt, "um zum Gelingen dieser Veranstaltung beizutragen".

Für gewöhnlich erhalten Autoren von Zeitungsbeiträgen kleine Honorare für ihre Arbeiten. Wenn aber in einer Zeitung ein fast halbseitiger Artikel des Industriellenpräsidenten zu lesen steht, kann man davon ausgehen, daß er dafür bezahlt hat. (Was wir u.a. anhand eines nicht als bezahlte Einschaltung ausgewiesenen Artikels im katholischen Präsent mit Rechnung belegen können.)

Medienmanagment
 
 
 
 

Die Vereinigung Österreichischer Industrieller hat nicht dementiert, daß sie (wie im letzten FÖHN behauptet) Journalisten bezahlt. Wie könnte sie auch! Deshalb sei hier ein Schäufelchen nachgelegt: Die Landesgruppe Tirol der VÖI hat mehr als einmal Honorarnoten an den früheren Kurier-Journalisten und nunmehrigen freien Publizisten Karl Steinhauser bezahlt. So wurde ihm am 28.1.1982 ein "Honorar für journalistische Mitarbeit in den Monaten Dezember 1981 und Jänner 1982 gemäß Vereinbarung" in der Höhe von S 40.000,-- überwiesen. Ein anderesmal waren es fünfzig Tausend für zwei Monate "journalistische Mitarbeit", die sich die Industriellenvereinigung (S 30.000,--) und die Fa. Swarovski (S 20.000,--) aufgeteilt haben.

Die Zeitung sieht aus gutem Grund so aus, wie sie aussieht. Daß Swarovski die Bauerngüter in Absam und Umgebung reihum aufkauft, schreiben die Zeitungen nicht. Daß einer aus der Familie 65 oder 75 geworden ist, das bejubeln sie spaltenauf und -ab. Darüber, wie hinter den ungelernten Arbeiterinnen bei Swarovski der Kontrollor mit der Stopuhr steht, gerät nichts in die Zeitung. Daß der Geldsack sich einen Fußballzirkus hält, das geht über Seiten.
 

Journalismus hat seinen Preis

Von nichts kommt nichts. Die Sektion Industrie in der Bundeswirtschaftskammer lädt jährlich zu einem "Journalisten-Seminar" in eine schöne Gegend Österreichs. Was in der Tiroler Tageszeitung mit mehreren vierspaltigen Artikeln auf der Wirtschaftsseite vergolten wird.
Journalismus hat seinen Preis. Zum Beispiel den hochdotierten "Philipp-Schoeller-Journalistenpreis", übrigens benannt nach dem Industriellen und zeitweiligen "Wehrwirtschaftsführer", der bereits 1927 ungefähr so redete wie heute die ganze Regierung: "Der Anschluß ist für die österreichische Industrie eine Notwendigkeit und das einzige Mittel, sich selbst und den ganzen Staat vor dem sonst unabwendbaren Niedergang zu retten." (Europäische Revue Sept. 1927) Den Schoeller-Preis heimsten nacheinander Wirtschaftsredakteure der Oberösterreichischen Nachrichten, des Kurier, der Presse und der Tiroler Tageszeitung ein. Bei letzterer war's der Chefredakteur und Wirtschaftsressortleiter Eduard Peters, den die Wirtschaft einmal nicht umhinkam, als "einen ihrer treuesten 'Verbündeten'" (Sektionsbrief der Bundessektion Industrie, April 1991) zu bezeichnen. Daneben gibt's andere Preise für brauchbare Journalisten, zum Beispiel den "Journalistenpreis des Handelsverbandes" oder den "Eduard-Haas-Preis" für Wirtschaftspublizisten. Zuletzt bekamen die Leiter der Wirtschaftsredaktionen von Presse, Kurier und ORF-Fernsehen, sowie der Herausgeber des Trend die Schecks des Senf-Industriellen.

Wie oft schaut uns von dort, wo wir in der Zeitung was lesen möchten, ein händeschüttelnder Raika-Chef mit einem aufgeputzten Rotkreuzhelfer oder einer händegeschüttelten Klosterschwester an! Ein bildfüllender Scheck der Bank soundso wird überreicht oder eine Autoaufschrift einer Sparkasse übergeben. Wie einer Diplomarbeit von Caroline Monica Heiss (an der Uni Innsbruck) zu entnehmen ist, geht das ungefähr so: Die meisten Kreditinstitute schließen mit den Zeitungsverlegern sogenannte Kooperationsverträge. Darin garantieren die Banken ein bestimmtes Werbebudget. Dafür erhalten sie "als Gegenleistung kostenlos eine Spalte" für oben erwähnte Schmeichelgeschichten. Leseprobe Diplomarbeit: "Die Sparkasse Innsbruck/Hall arbeitet auf dieser Basis mit verschiedenen Stadtzeitungen zusammen. Bei den PR-Informationen handelt es sich hierbei um Beiträge über Jubiläen, Neu- und Umbauten, Einbau neuer technischer Einrichtungen, gesellige und fachliche Veranstaltungen, Unterstützungen, Spenden, usw. Die Hypotheken Bank arbeitet sogar mit 35 regionalen Wochenblättern zusammen." (C.M. Heiss) Was jetzt? "Zusammenarbeiten" oder "garantiertes" Werbebudget und "Gegenleistung kostenlos"?

Es ist das Große Geld, das hinter den großen Zeitungen steht, das ganz große Geld, um das es in diesem Gemma!-Gemma!-System geht, in dem wir täglich um das ganz kleine zu kämpfen haben. Hier sei es nocheinmal anhand der totalen Verhaberung des Kapitals der Zeitungen mit dem der Aktienspekulanten illustriert. Auf den Börse-Seiten der Zeitungen werden die Werte fast nach Bedarf hinauf- und hinuntergeschrieben. Die Zeitungen machen die Kurse - und die Aktionäre die Gewinne.
Da werden, wenn's nottut, Massen von kleinen dummen Anlegern gekeilt, die den geschickten Spekulanten die Profite abgeben müssen. "Ganz Österreich ist vom Börsefieber angesteckt", überschrieb der Kurier am 10. April 1991 zweizeilig eine Sonderseite, und lockte: "Mit Aktientips Millionär werden". Dies war ein Anzeichen, daß die Wiener Börse den Gewinnprofis zu wenig Gewinn bringt. Darum setzte der Kurier, wie andere Zeitungen auch, ein "Börsespiel" an, "Hauptgewinn 1 Million Schilling". Trotz ständiger "Kurspflege" rutschten die Aktienwerte immer tiefer. Ja, die Wiener Börse wurde diejenige, auf der die Aktien weltweit am meisten verloren (16 Prozent)! Die Zeitungen mußten zulegen. Der Sonntags-Kurier kam doppelseitig, vierfärbig, ein Mädchen im Badeanzug, das daran ist, in einen Haufen Tausender einzutauchen im Bild, darüber den Titel: "Gewinnen Sie jetzt mehr als eine Million mit Aktientips" (3.11.91). Am folgende Sonntag (wieder eine Doppelfarbseite) schwamm das Mädchen bereits in den Tausendern: "So werden Sie mit Aktientips beim großen Börse-Gewinnspiel zum Millionär." (10.11.91)

Alles, was hier angeführt werden kann, ist nur ein Beispiel. Wer es erkannt hat, sieht es täglich in jeder Zeitung. Verständlich, daß die Banken diese Börsenhysterie sponsern, sind sie doch die größten Aktienbesitzer.
Die Zeitungen sind nur die Werkzeuge.
 

Der Filz

Die Regierung, die den Geldstaat verwaltet, hat in den Medien ihre festeste Stütze. Und sie dankt es ihr millionenfach.
Als sich die Parlamentsparteien am 2. Juli 1975 ein großzügiges Parteienfinanzierungsgesetz gaben, haben sie am selben Tag, um auch die ihren zu bedienen, der Presse ein großzügiges Presseförderungsgesetz gegeben. Könnte das fruchtbare Zusammenspiel sich deutlicher zeigen? Das mit Demokratie, das lassen wir im folgenden einmal schön beiseite. Oder hast du vielleicht entschieden, daß Kronenzeitung und Kurier mit Hunderten Millionen Steuerschillingen gestopft werden?

Der Reihe nach: Zu den 63 Millionen, die die Tages- und Wochenzeitungen z.B. 1990 nach dem Presseförderungsgesetz kassiert haben, gab's in diesem großen Wahljahr noch eine sogenannte "besondere Presseförderung" und noch eine sogenannte "einmalige Presseförderung" in der Höhe von 200 Millionen Schilling. Einfach per Ministerratsbeschluß und durch Budgetüberschreitung. Ja, die Zeitungen sind eben viel wert. Natürlich haben die Parteizeitungen dabei am meisten abgeräumt. Aber auch für den Standard z.B. gab's zusätzliche 17,1 Millionen und der Presse wurden zusätzliche 32,6 Millionen zuteil. Weil genug nicht genug ist, haben die Zeitungskonzerne angefangen, nach der staatlichen Investitionsförderung zu greifen. Der Milliardär Kurt Falk ergatterte auf diese Weise 200 Millionen S für ein neues Druckzentrum. Die Kurier-Krone-Gesellschaft hat sich 120 Millionen S unter dem selben Titel herausgerissen, denen von der Stadt Wien noch 60 Millionen zugeschlagen wurden. Günstlingswirtschaft sag ich nicht, das wäre eine Verharmlosung. Die Regierung unterstützt mit unserem Geld auch massiv jene Medien, hinter denen deutsches Kapital steckt. Daß bei dieser Fütterung die sonntags und feiertags ausgehängten Zeitungen, die die Regierung zum Regieren unbedingt braucht, von uns schon bezahlt sind, davon kann man ausgehen. Wir Zeitungskäufer bezahlen nicht nur, wie uns vorgerechnet wird, ein Viertel des wirklichen Zeitungspreises, sondern über Werbe-Anzeigen und staatliche Presseförderung mindestens fünf Viertel. Dem Beispiel der ganz Großen folgend, haben jetzt auch die Bundesländerzeitungen Anträge um Investitionszuschüsse eingebracht: Die Kleine Zeitung hätte gerne 166 Millionen Schilling dazu vom Staat, die Salzburger Nachrichten möchten 163 Millionen, die Vorarlberger Nachrichten 126 Millionen, die Oberösterreichischen Nachrichten wünschen sich 115 Millionen und die Tiroler Tageszeitung will vorerst 94 Millionen. Da können viele Leute viel arbeiten, bis das steuerngezahlt ist. Die Zustands-Verwaltung Vranitzky subventioniert unseren Dauer-Beschiß so hoch wie keine Regierung vor ihr. Vielleicht hat sie es so nötig wie noch keine vor ihr.
Die nächste Auffettung wird unter dem Titel "Erhalt der Medienvielfalt" kommen. Sind viele Zeitungen mit verschieden gut gedruckte Vranitzky-Fotos schon Vielfalt?

Zum staatlichen Zucker kommen die Gaben der Landesregierungen und Gemeinderäte. So verteilte 1990 allein die Stadt Graz 60 Millionen unter ihre Getreuen (Krone, Kurier, Kleine Zeitung). Wie die Zeitungsherren, Zeitungsherr Moser in Innsbruck z.B., von den Bürgermeistern mit Grundstücken versorgt wurden und werden, darüber wollen wir gar nicht anfangen. Ein anderes noch: Durch unsere satten Posttarife ermöglichen wir, daß die großen Medienunternehmer sich 2,4 Milliarden Schilling ersparen. Laut Untersuchung der Post ergibt sich aus dem lächerlich niedrigen "Zeitungsbeförderungstarif" solch ein Defizit. Auch nix gelesen darüber in den Zeitungen?
 

"'s Geld will's gern finschter" (Altes Tiroler Sprichwort)

Von Journalistenbestechung anfangen zu reden, würde bedeuten, das Obige zu verharmlosen. Gewiß, der ÖVP-Abgeordnete Helbich hat, alle Welt weiß es, vor Jahren einem Kronenzeitung-Journalisten 100.000 Schilling im Kuvert angeboten (Kurier, 24.11.91). Wir wissen es aber nur deshalb, weil er diese 100.000 Schilling nicht angenommen hat. Der Amtsdirektor von St. Veit (Kärnten), sagte auf den Vorhalt, er habe einen Journalisten mit 20.000 S kaufen wollen: "Tun denn das nicht alle?" (AZ, 29.3.86) Die FPÖ unter Steger hat ein eigenes Konto, das "Konto Verfügungsmittel" eingerichtet, das sie auch den "Reptilien-Fonds" nennt, eine Bezeichnung, die der deutsche Reichskanzler Bismarck für seine Mittel zur Bestechung von Journalisten seinerzeit eingeführt hat. Aus diesem FPÖ-Topf sollen zwischen 1983 und 1986 "mehr als 600.000 Schilling an willfährige Journalisten geflossen sein" (Profil, 14.8.89). "Gewisse Journalisten", sagt Steger, seien mit unterschiedlich hohen Geldbeträgen für "gewisse Leistungen" "honoriert worden" (Profil, 20.2.89). Entrüstung spielten die übrigen Parteien in diesem Falle wohlweislich nicht.
Landeshauptmann Partl zum Beispiel leistet sich in der Illustrierten Tirolerin (Tirolerin, Dez.91/Jan.92) drei Farb-Seiten mit scheinredaktionellem Jubelartikel ("Partl rettet Tirol vor drohender Transitlawine."), wobei es schon keine Rolle spielt, ob das Geld dazu aus der ÖVP-Kassa oder der Landeskassa genommen worden ist.

Zu Zeiten seines Vorgängers hatte ein P.R.-Mann die Idee, den Betonfreund Wallnöfer in der deutschen Busenzeitung Quick ausgerechnet als "Der Mann, der für ein Paradies kämpft" auszurufen. Für die garantierte Abnahme von 20.000 Quick-Exemplaren durch die Tiroler ÖVP zu einem Sonderpreis, war auch das möglich (Tiroler Perspektiven 2/90).

Als nach dem ersten Weltkriege auf einem Journalistenbankett in New York Trinksprüche auf die 'unabhängige Presse' ausgebracht wurden, erhielt John Swinton (Chefredakteur der >New York Tribune<) von seinen Kollegen den Auftrag, zu antworten. Er sagte: "Hier in Amerika gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse nicht, wenn man von einigen Provinzstädten absieht. Sie wissen das ebensogut wie ich. Unter Ihnen ist kein einziger, der sich erkühnen wurde, ehrlich das zu schreiben was er meint, denn Sie wissen es im voraus, es wird niemals gedruckt werden und erscheinen. Ich erhalte 150 Dollar in der Woche dafür, daß ich der Zeitung, die ich redigiere, meine ehrliche Meinung vorenthalte. Viele unter Ihnen erhalten den gleichen Lohn damit sie das gleiche tun. Wenn ich gestatten würde, in meiner Zeitung ehrliche Ansichten zu drucken, so würde ich ... binnen 24 Stunden hinausfliegen. Aufgabe der New Yorker Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, schamlos zu 1ügen, Tatsachen zu enstellen, zu verleumden, vor dem Gott Mammon im Staube zu kriechen, sich selber, sein Volk und sein Land für das tägliche Brot zu verkaufen. Welche Narrheit, auf eine unabhängige Presse zu toasten! Wir sind Werkzeuge und Vasallen der Reichen, die hinter der Szene stehen. Wir sind Marionetten. Sie ziehen an der Schnur, und wir tanzen. Unsere Zeit, unsere Talente, unser Leben, unsere Ansichten, alles gehört anderen Leutern, wir sind Prostituierte des Geistes. "

aus: Die Zeitungen, Gotha (1925) Kurier, 16.1.92
 
 

Wer zählt das zusammen, was sich die diversen Ministerien über ausbezahlte Anzeigen eine freundliche Berichterstattung kosten lassen? Welchen anderen Zweck denn hat das Ausgeben von Inseratenrunden durch Verkehrsminister, Verteidigungsminister, Landwirtschaftsminister, Frauenministerin, usw.! Wer nicht hat bemerkt, wie die kritischere Berichterstattung über die Arbeiterkammern vom Tisch war, als in den Zeitungen die Anzeigenserie "besser mit AK" gestartet wurde. Die Stadtgemeinde St. Pölten hat der kurzlebigen Tageszeitung "Guten Tag Niederösterreich" mit einstimmigem Gemeinderatsbeschluß pauschal (blanko) eine Inseratenvorauszahlung von vier Millionen Schilling gewährt. (Salzburger Nachrichten, 13.11.90) Es läuft immer noch der Großversuch, wie lang die Menschen sich verarschen lassen.

Ein Filz ist ein Gewebe, das ohne Gewalt nicht mehr entworren werden kann. Was wir vor uns haben, ist ein Filz. Der ORF, der den Entscheidungen der Politiker über die Höhe der einzunehmenden Gebühren ausgesetzt ist, vermittelt uns diese Politiker. Sie, deren Existenz mit der Berichterstattung des Fernsehens steht und fällt, bestimmen über den Umfang der ORF-Werbezeiten. Die Presse, deren Profit von den politischen Rahmenbedingungen abhängt, ist es, die die Politiker uns darstellt. Die Regierung, die auf Gedeih und Verderb der Unterstützung durch die Zeitungen ausgeliefert ist, hat über die Subventionen an diese zu beschließen. (Wie entscheiden Politiker, wenn Zeitungen Verkaufstaschen aushängen wollen? Wenn sie Werbeständer vor den Kiosks aufbauen wollen? Bunte Kurier- und Krone-Kisten für die Belieferung der Verschleißer auf die Gehsteige klotzen?) Wovon reden wir denn? Der Anwalt des österreichischen Medienkaisers Falk ist der ÖVP-Spitzenpolitiker Graff. Oder ist es umgekehrt? Wessen Anwalt wird Graff im parlamentarischen Justizsausschuß sein, dessen Vorsitzender er ist?

"Von gewitzten Politikern werden subtilere Methoden der Einflußnahme angewendet. Das gehört zum Kapitel Korruption durch Information", weiß Kurt Vorhofer von der Kleinen Zeitung, Leiter ihrer Wiener Redaktion. "Manche haben offenbar eigene Stammschreiber und -schreiberinnen in den Redaktionen. Das geht dann so: Der Politiker gibt Informationen aus vertraulichen Sitzungen weiter und er wird dafür dann gehätschelt." (Kleine Zeitung, 14.3.91) Wenn ein Minister wohin jettet, kommen seine getreuesten Redakteure mit. Der Bundeskanzler hat eine ganze Packung Journalisten auf Staatskosten mitgenommen, aus jeder Zeitung einen, als ihm am 10. Oktober des Vorjahres ein Fototermin bei George Bush gewährt worden ist. Und sie konnten sich des Honigstreichens in der Folge nicht genug tun.
Hier könnte man von den sichtbaren Zeichen der Freundschaft zwischen Politikern und ihren Journalisten reden, den kleinen und großen Verdienstzeichen, den silbernen und goldenen Ehrenzeichen, die erstere an letztere so gern geben. Dann wäre auch von den Preisen zu reden, die die Journalisten haben, weil sie ihnen die Politiker zahlen: Der Verteidigungsminister belohnt mit einer Prämie, die "Staatspreis für publizistische Leistungen im Interesse der Landesverteidigung" heißt, der Unterrichtsminister gibt an den Besten seines Faches den "Staatspreis für Kulturpublizistik", der Verkehrsminister honoriert den Journalisten seiner Wahl mit dem "Verkehrssicherheitspreis", der Wissenschaftsminister hält für entsprechende Leistungen Geld, das "Staatspreis für Wissenschaftspublizistik" heißt, bereit usw.
Eine hübsche Klüngelei sei noch angeführt: Das Land Tirol besitzt mit der Landesjagd Pitztal eine sogenannte Repräsentationsjagd etwa für eingeflogene deutsche Minister und Ministerpräsidenten. Weil sich der reaktionäre Redakteur Schöffthaler vom Blickpunkt laut Partl besonders "verdient gemacht hat", bekam er jüngst einen Freischuss auf eine Steingeiß (Kurier, 21.3.91).
Ist nach all dem noch ein Funken Überraschung darin, daß die Medien tagaus tagein Werbung für diese Art der Parteien, für diese Form der Demokratie, für diesen Zirkus mit dem Wählen machen? Wundert's umgekehrt, daß dafür bis heute kein Tiroler Politiker (für Leser mit mehr Dioptrien: kein Politiker) ein Wort (ein Wort) herausgebracht hat zum zum Einkauf des deutschen Springer-Konzerns bei der Tiroler Tageszeitung, sowie in all den Jahren nie einer von ihnen öffentlich zu einer Ablehnung des wüsten Antisemitismus in der TT imstande war? (Wie Journalisten der politischen Reaktion glattweg in die Hände arbeiten, muß am Beispiel, wie Haider gemacht wurde, einmal gesondert dargelegt werden.)
 

Aus der Praxis

Die Presse ist nicht wesentlich korrupter als das übrige Geldsystem. Sie ist auch nicht weniger verkommen. Wir haben die Herren der Industrie bereits die gute Zusammenarbeit mit den Zeitungen loben gehört. Nocheinmal, mit anderen Worten: "Der Tiroler Industrie-Pressedienst 'TIP' ist auch im vergangenen Jahr seinem Ruf einer seriösen Informationsquelle im Bereich der Wirtschaft gerecht geworden. Die über den TIP an die Redaktionen weitergegebenen Meldungen wurden von den lokalen und regionalen Medien gern und mit hoher Regelmäßigkeit aufgenommen." (VÖI Tirol, Jahresbericht 1989) Das mit der "seriösen Informationsquelle" kann ich nicht bestätigen, das mit der "hohen Regelmäßigkeit" hingegen schon. Aber gehen wir von den Hintermännern wieder zu den von ihnen auf Vordermann gebrachten Politikern. Es geschieht täglich fünfmal am Vormittag und fünfmal am Nachmittag: Die Parteipressedienste melden sich mit einem Schas zu einem früheren Schas bei den Zeitungen, mit fertiggeschrieben Artikeln. Meinetwegen ein Landtagsabgeordneter der ÖVP muß einem SPÖ-Politiker entgegnen. Ein willkürlich gewähltes Beispiel vom 5. Mai vorigen Jahres. Am 6. Mai finden sich in den beiden Tiroler Tageszeitungen diese ÖVP-Artikel. Im Kurier geht er so los: "Zwischen Bauern und Wirtschaft hat es vor dem letzten Parteitag der ÖVP ...". In der TT fängt er so an: "Zwischen Bauern und Wirtschaft hat es vor dem letzten Parteitag der ÖVP ...". Während der erste Absatz in der TT endet mit: "... stellte gestern Bauernbundobmann Anton Steixner fest", hört er im Kurier so auf: "... stellte gestern Bauernbundobmann Anton Steixner fest". Alles wortwörtlich, 1:1, zweiter Absatz desgleichen: Von "Über die sogenannte ..." (TT) bzw. "Über die sogenannte ..." (Kurier) bis zu "... betonte Steixner" (Kurier) bzw. "... betonte Steixner" (TT). Alles Bluff.

In einem Konzept "Informations- und Pressedienst in der ÖVP Landesparteileitung Tirol" von 1991 (Vermerk: "Streng geheim - nur für den Chef") lesen wir zum Thema Parteipressekonferenzen: "Auch ergeben sich dabei die oft äußerst notwendigen Kontakte zwischen Politikern und Journalisten, die durch private gesellige Zusammenkünfte vertieft gehören. (Journalisten möchten auch gehätschelt werden!)" Wie sollte da in den Zeitungen etwas Wahres stehen? Außer aus Versehen. Außer, daß der Landeshauptmann wirklich am Donnerstag und nicht am Mittwoch oder am Freitag das oder jenes von sich gegeben hat.
Die Journalisten sehen nur, was sie zu sehen haben, und schreiben nur, was sie zu schreiben haben. Es ist schwer vorstellbar, daß es in der DDR gehorsamere Knechte gegeben hat. Die Zeitungen kriegen's von allen Seiten, auch vom Landespressedienst, der landhauseigenen Propagandamaschine. Es geht dabei nicht nur darum, was (auf solche Art) alles in der Zeitung steht, sondern auch darum, was (auf solche Art) nie drinnen steht.

Wenn Journalisten Politikern zu Leibe rücken, dann meist, um eine Körperöffnung ausfindig zu machen. Was wir täglich auf den Tisch bekommen, ist das zwangsläufig entsetzliche Ergebnis der Verhaberung. Gibt es einen Redakteur oder auch nur einen festen Mitarbeiter der Medien, der nicht per Du wäre mit allen Politikern, die ganzen Abgeordnetenbänke durch? "Kaum ein Tag" schreibt der Redakteur G. Neureiter in den Salzburger Nachrichten, "an dem nicht ein Politiker einen Journalisten anruft und ihn fragt, was er von diesem oder jenem Plan halte." (16.6.89) Journalisten sind Menschen, die ihr Ich wachsen hören, wenn man sie ein bißchen dabeisein läßt. Bei Umfragen nach der Wertschätzung der Berufe landen die Journalisten weit hinter Ärzten, Ingenieuren am Ende der Liste genau dort, wo sie hingehören, bei den Politikern. So etwas schweißt zusammen. Schließlich wissen Journalisten wie Politiker, daß sie auch letzten Endes mit aus denselben Quellen bezahlt werden (in Tirol z.B. letztlich aus den Schatullen der TIWAG, der Brenner-Autobahn AG, dem Steuertopf usw.).
Oft ist es auch der gemeinsame Stall, dessen Geruch Schreibende und Beschriebene ein Leben lang verbindet, z.B. die Zeit im Mittelschülerkartellverband oder in der Parteijugendorganisation oder in der Studentenverbindung (Was, Herr Journalist Eizinger vom MKV, sagen Sie zur Politik des Stadtrates Wallnöfer vom MKV? Wie, Herr Redakteur Vinatzer vom MKV, beurteilen Sie die Politik des Landeshauptmannstellvertreters Mader vom MKV?)

Filz entsteht überall. Edelfilz wird in in exklusiven Zirkeln produziert. Im Lions Club z.B., oder im Rotary Club. Landeshauptmann Partl ist Mitglied im Rotary Club Innsbruck, der sich jeden Dienstag um 19 Uhr im Meinhardsaal des Hotel Europa in Innsbruck trifft. Auf wen trifft er da? Auf "Freund" (offizielle Anrede) Grissemann vom ORF zum Beispiel, auf "Freund" Reissigl, den Landtagspräsidenten, auf "Freund" Swarovski", auf den ORF-Journalisten "Freund" Motz, auf "Freund" Bodenseer, den Wirtschaftsbundpräsidenten und so fort.
Filz geht, im Gegensatz zu etwas Gewebtem oder Gestricktem, nicht mehr aufzutrennen. Ganz im Gegenteil verheddern sich die verschiedenen Schichten ständig weiter ineinander. Wie man an der Politikerschicht und der Journalistenschicht beobachten kann: Die Kurier-Redakteure Kriess und Bauer gehen mit den FPÖ-Politikern Eigentler und Unterberger Tennis spielen (Kurier, 31.12.91). Wenn der FPÖ-Generalsekretär und der FPÖ-Klubobmann im Tiroler Landtag und der ÖVP-Tirol-Geschäftsführer und ein ÖVP-Landesrat fußballspielen, ist der "Tirol heute"-Moderator Pirchner dabei (Kurier, 20.8.91). Wenn der Kurier-Journalist Linde Hochzeit macht, vertreten politische Funktionäre von vier Parteien "die hohe Politik im Freundeskreis unseres Kollegen" (Kurier, 4.5.89). Wenn ein Politiker wie der Landesrat Greiderer Abschied feiert, ist eine Schar von Journalisten von ORF, TT und Kurier mit dabei (Kurier, 5.7.91). Wenn der Kurier "5 Jahre Tirol-Kurier" feiert, gibt's von der anderen Seite her wieder kein Halten. Neunzehn anwesende Politiker werden im Kurier (12.11.88) namentlich in Fettdruck erwähnt. Weil zu einem Ausflug auch Freunde gehören, nimmt der Landeshauptmann, wenn er mit den Mitgliedern der Tiroler Landesregierung ins Zillertal aufbricht, auch eine Partie Journalisten mit. Laut Kurier (11.7.91) watteten die beiden Landeshauptmannstellvertreter Mader und Tanzer und die beiden Landesräte Eberle und Weingartner abwechselnd mit dem politischen Redakteur des Kurier, Roland Bauer.
Das Zusammenspiel klappt, wir sehen's in der Zeitung, wir sehen's beim Watten. Wenn die ÖVP Tirol darüber nachdenkt, wie sie die Medien noch besser ausnützen könnte, läßt sie unter anderem Journalisten dieser Medien in einem Arbeitskreis darüber nachdenken. Es gaben daher zum Beispiel just die beiden ORF-Journalisten Krieghofer (jetzt ganz bei der Partei) und Motz der ÖVP Tips über den Umgang mit Presse und Rundfunk ("Tirol Modell 2000"). Im ORF werden laufend Politiker in ihrem Agieren vor scharfen Mikrofonen und laufenden Kameras trainiert. "Die Industrie", sagt ÖVP-Hauptgeschäftsführer Krieghofer, "ersuchte den ORF, die Leute vor der Kamera schulen zu lassen. Natürlich gegen Ersatz der Studio- und Personalkosten." (TT, 1.6.91) Heißt das, daß die Industriellenvereinigung dieses Schauspielstudium bezahlt? Auch im Wiener Fernsehzentrum gibt es laufend solche Übungen, bei denen neue Redakteure das nette Fragen und neue Politiker das entsprechende Antworten lernen. Und wir meinen, es kämen Informationen aus dem Fernseher! Die Politische Akademie der ÖVP lädt ihre Mandatare regelmäßig zu einer sogenannten Top-Klausur zum Thema "Wirkungsvolle Selbstpräsentation" (Seminarinhalt: "Training zur Verbesserung von Wirkung und Inhalt Ihrer Auftritte in TV und Hörfunk ..."). Daneben bietet sie ihren Funktionären regelmäßig Seminare zum Thema "Das persönliche Marketing verbessern - wirksame Öffentlichkeitsarbeit" an. "Inhalt: Wirksame Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im eigenen Wahlkreis bzw. Wirkungsbereich, erfolgreiche Journalistenbetreuung, Tips für Presseaussendungen, Interviews und Artikel, richtige mediale Wertung der parlamentarischen Arbeit." (Polit. Akademie, Jahresprogramme 1990 und 1991)

Die Tiroler ÖVP, andere Parteien und Parteigruppen machen's auch, halt anders, hat sich von Experten der Universität Innsbruck (Politikwissenschaft, Finanzwissenschaft) im März 1991 eine "Strategische Neuausrichtung" anraten lassen. Darin heißt es in Fettdruck: "Wer die Massenmedien beherrscht, beherrscht die Wählerschaft. Wer die Wählerschaft beherrscht, beherrscht den politischen Prozeß." (S. 130) Praktische Tips bekommt die Parteizentrale auch: "Mit 'Tirol-Heute' ist eine neue lokale Medienstruktur entstanden, die für Politiker völlig neue Präsentationsmöglichkeiten erschließt. Das telegene Verhalten muß für die parteipolitischen Entscheidungsträger in eigenen Medienseminaren und Fernsehverhaltenskursen trainiert werden (in Österreich sind 53 Prozent der Bevölkerung der Ansicht (1984), daß sich Politiker im Fernsehen wie 'schlechte Schauspieler' benehmen." (S. 132) Weiter: "Es fällt in den Aufgabenbereich der 'Presseabteilung' einer Partei, eine geringe Anzahl von berichtenswerten Ereignissen 'künstlich' aufzufetten. (...) Öffentlichkeitsarbeit muß in Krisenzeiten Ereignisse herstellen. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen, die nur deshalb stattfinden, weil Parteien auf die Medienpräsenz angewiesen sind." (S. 138) Es folgen Anweisungen: "Medienunterlagen müssen Journalisten entlasten. Je mehr sie ihnen entgegenkommen, desto größer wird die Chance, daß eine Pressemeldung 'ungekürzt' übernommen wird." Usw. Wir sehen, daß auch an unseren Universitäten stark an der Volkshintergehung gearbeitet wird. Die Berichterstattung der zwei Tageszeitungen während des Wahlkampfes beurteilen die ÖVP-Wissenschafter so: "Die ÖVP hat während der Wahlkampfzeit in der 'TT' eine gute Presse." ("LH Partl wurde als volksnaher und entscheidungsfreudiger Landeshauptmann dargestellt." Und: "Der 'Tirol-Kurier' zeigte kein von der 'Tiroler Tageszeitung' grundsätzlich abweichendes Bild." "Es gab eine starke Forcierung von LH Partl ..." "Auch im 'Tirol-Kurier' hat die Tiroler VP eine gute Presse." (S. 147-149)
 

Ein gefundenes Fressen für die Presse

Nicht nur, wenn der ÖVP-Pressedienst, sagen wir an einem kleinen Wahlsonntag (19.9.91) in einem Bundesland, Journalisten in die Wiener Parteizentrale einlädt, ist ganz selbstverständlich der letzte Satz auf dem Fax: "Für Verpflegung ist wie üblich gesorgt." Natürlich gibt's auch bei den "Haider-Tagen" zwischen "11.20 Rückflug Innsbruck" und "13.30 Abflug Zell am Ziller" um "12.00 Presseessen im Gasthof Stiegl" (FPÖ-Aussendung vom 18.1.88). "Liebe Frau Redakteurin, lieber Redakteur! Im Anschluß an die Pressekonferenz dürfen wir Dich zu einem Mittagessen im Hotel Alphof einladen", hieß es etwa am "Europatag der ÖVP" in Alpbach am 5. August vorigen Jahres.
Höhepunkt der politischen Gastronomie ist in jedem Jahr der "Neujahrsempfang für Presse und Rundfunk", zu dem "Der Landeshauptmann von Tirol" sich die Ehre gibt, einzuladen. Hier soll die "Einladung zum Neujahrsempfang von Bürgermeister Romuald Niescher" nicht gering geachtet werden, aber was ist die Villa Blanka, wo er auftischen läßt, gegen den Barocksaal des Hotels Europa, in dem der Landeshauptmann den Gastgeber macht? Gewiß sind die von der Innsbrucker Bevölkerung bezahlten "Drei Filets in Currysauce, garniert mit Früchten" nicht zu verachten, aber mit dem, was der Landeshauptmann auf Kosten der Tiroler Steuerzahler auffahren läßt, kann es sich doch nicht ganz messen. Der wirklich herzliche Ton im Ladschreiben der Pressestelle im Stadtmagistrat Innsbruck macht hingegen manches wett: "Liebe Kolleginnen, geschätzte Kollegen ... Auf zu neuen Taten. Unser erster Termin für Euch im jungen Jahr ist kein besonders stressiger ... sind zu einem gemütlichen Essen samt Umtrunk, wie es Tradition ist, alle Kolleginnen und Kollegen herzlich willkommen, mit denen wir im Laufe des Jahres immer wieder zusammenarbeiten." Und wirklich gut zusammenarbeiten, kann man nur sagen, Currysauce hin, Südtiroler Schneggenthaler her. Einen freundlicher Vierspalter mit Bürgermeisterfoto und doppelzeiliger Überschrift war die Fete dem Kurier allemal wert (11.1.92)

Dem Landeshauptmann erweisen anläßlich des 1992 von ihm gegeben Gastmahles im ersten Hotel der Stadt 158 Tiroler Journalisten und Journalistinnen die Ehre, vom ORF-Fernsehchef bis zum letzten Schreibmaschinschreiber des letzten Anzeigenblattes, vom Chefredakteur der größten Zeitung bis ganz hinunter zum Redakteur des Fensters. Die Einladung zu diesem "geselligen Beisammensein" gilt ja auch "herzlich allen, die mit uns im Laufe des Jahres immer wieder zu tun hatten."
Bei "Terrine von Reh und Hirsch mit Sellerie-Apfel-Salat und Sauce Cumberland" (Vorspeise) fangen die "lieben Kollegen" an, ein bißchen den Streß mit den vielen Presse-Aussendungen zu vergessen, die manchmal noch zu kürzen waren. "Tomatenconsomm‚ mit Gemüse" (Suppe) hilft auch ein wenig darüber hinweg, daß bei Pressekonferenzen manchmal trotz ausgegebener Unterlagen noch mit der Hand mitzuschreiben war. Mit "Tafelspitz mit Cremespinat, gerösteten Erdäpfeln, Markknochen, Schnittlauchsauce und Apfelkren" samt "Kolbenhofer von Hofstätter in Tramin" stecken die Redakteure auch den Druck weg, den das viele Angerufenwerden durch die Politiker oft gebracht hat. Nach dem "Geeisten Heidelbeerparfait" ist alles in Wohlgefallen aufgelöst. Der Landeshauptmann kann loslegen. Die 158 warten auf den angekündigten "flüssigen Tribut an Südtirol" ("statt dem üblichen Sekt") und lassen die Peinlichkeiten, von denen der Landeshauptmann keine ausläßt, sofern sie ihm einfällt, wie sonst auch über sich ergehen. "Ein engagierter Landeshauptmann", berichtet daraufhin der ORF (15.1.92), "eine flammende Rede" hört der Kurier (16.1.92). "Die EG, das ist eine gute Sache!", brüllt der Landeshauptmann in den vollbesetzten Barocksaal. "Helfen Sie uns, den Menschen die Angst vor der EG zu nehmen!"

Ohne Zucken schlucken’s die versammelten Plattmacher und Gerüchterstatter. Sie wollen nicht rütteln an den Stühlen, neben denen sie das ganze Jahr über oppulent zu Tisch sitzen.
 

Das Schema

Es ist noch in keiner Zeitung gestanden, daß das Kommando für das Einschalten und Ausschalten des Kaunertalkraftwerkes von Braunweiler bei Köln aus gegeben wird. Warum nicht? Warum steht nirgends, daß das größte TIWAG-Kraftwerk, das Werk Sellrain-Silz, gar nicht am Tiroler Netz hängt, sondern nur an den Drähten nach Bayern und Schwaben? Warum geht kein Journalist dem Geldstrom nach, der von der TIWAG zur Tiroler ÖVP fließt, und der auch die Staatsanwaltschaft hat tätig werden lasen? Warum, ja, warum? Warum findet die Wirklichkeit nicht in die Zeitung?

Warum? Darum:
Die Geschichte, die zu erzählen ist, beginnt damit, wie der FÖHN vor vier Jahren über die "Stromkolonie Österreich" geschrieben hat. "Keines der Tiroler Medien mit Ausnahme der Kulturredaktion des ORF und eines eher unbedeutenden Bezirksblattes", freute sich die TIWAG, "hielt es schließlich für richtig, über die von Unwahrheiten, Verzerrungen und Gehässigkeiten strotzende Darstellung ... zu berichten." Warum nicht? "An diesem weitgehenden 'Totschweigen' der 'föhn'-Attacken im 'Medienwald' waren wir natürlich nicht ganz unbeteiligt. In zahlreichen Telefonaten und persönlichen Gesprächen mit Journalisten konnten wir diese von der Haltlosigkeit der erhobenen Anschuldigungen gegen die TIWAG überzeugen." (TIWAG intern 1/88) Da gab es zum Beispiel einen Kurier-Redakteur Roland Bauer, der nach Erscheinen des FÖHN-Heftes groß ankündigte: "I moch was!" Was er, nach den "zahlreichen Telefonaten und persönlichen Gesprächen", dann gemacht hat, das ist, er hat in die Hose gemacht. Weiter: Als der FÖHN den von der TIWAG gegen die Zeitschrift angestrengten Prozeß wegen Kreditschädigung auch in letzter Instanz gewonnen hatte, durften die Zeitungen das so natürlich nicht schreiben. Die TIWAG rief gleich nach Urteilsspruch z.B. bei der Tiroler Tageszeitung an und bat den Gerichtsberichterstatter zu überlegen, 'ob's immer hoaßn muaß, daß die TIWAG verloarn hat, ob man des nit a anders formulieren kann'. Der gute Mann konnte. TT-Titel: "Kreditschädigung der TIWAG blieb unbewiesen" (14.9.89). Darum war's dem Richter auch gar nicht gegangen, sondern nur darum, ob's eine war oder nicht.

Der TIWAG-Direktor hatte damals im Zeugenstand aufhorchen lassen: "Die Wirkung des FÖHN in der Öffentlichkeit wurde von den Organen der TIWAG, nämlich Vorstand und Aufsichtsrat, so gravierend eingeschätzt, daß eine PR-Kampagne beschlossen werden mußte, um die Auswirkungen der Publikation FÖHN in der Öffentlichkeit wieder gutzumachen. Die Kosten dieser Kampagne werden voraussichtlich mehrere Millionen Schilling betragen."
Geld stinkt nicht, aber es hat doch einen sehr aparten Duft. Und hier roch es nach Geld, man roch es schon in allen Redaktionsstuben.

Die Niederlage im FÖHN-Prozeß bewirkte, daß die TIWAG die Tiroler Medien noch enger an die Kandare nahm, daß zu den Menschen, auf deren Kosten die verhängnisvolle Energie-Politik geht, noch weniger (ja, sogar noch weniger!) wahre Informationen durchkamen. Mit einem Teil des Geldes, das sie von uns hat, hat die TIWAG in der Folge alle kritische Berichterstattung ratziputz aufgekauft.

Über die Happen, die Parteizeitungen und die betraute ÖVP-Werbefirma Heimatwerbung vom schönen großen TIWAG-Werbekuchen abbekommen haben, stehen ein paar Seiten im FÖHN-Heft 15. Gebacken wurde das Ding aber, um die Mäuler der Redakteure in den Zeitungen zu stopfen. Während der Kurier-Redaktions-Leiter Herwig Schmidl, der 1989 noch für "Das Recht auf wenigstens einen natürlichen Bach" (Kommentar-Titel, 10.7.89) eintritt, sieht er im Februar 1990, als die TIWAG-Gelder in die Richtung des Kurier bereits zu fließen begonnen haben, "Neue Aufgaben und neue Chancen für die Tiwag" (Kommentar-Titel, 28.2.90). Nun ist es so, daß seit Anfang 1990 mehr als 45 halbseitige TIWAG-Anzeigen an den Tirol-Kurier bezahlt wurden, was bedeutet, daß er der TIWAG ca. 80 Prozent seiner gesamten Werbeeinnahmen zu verdanken hat. Sie hat ihm dafür Aufmacher wie "Die TIWAG hat zuwenig Strom" (7.1.92) oder "Trotz Strom-Verträgen mit Deutschland benötigt Tirol neue Kraftwerke" (8.1.92) zu verdanken.
Die TIWAG-Inserate wurden nicht geschaltet, damit wir in ihnen (weiß Gott was) über die TIWAG-Politik erführen. Sie wurden geschaltet, damit wir (weiß der Teufel was) in den Artikeln über die Strompolitik nicht erfahren sollten. Die 45 großen Werbeflecke im Kurier sind das, was man offiziell vorzeigen kann an Gegenleistung für den enormen Geldstrom von der TIWAG.
 

Es funktioniert

Das Debakel im FÖHN-Prozeß hat die Oberen noch enger gegen uns zusammenrücken lassen. Die TIWAG hat auch die leiseste Kritik an ihrem Urassen im Land in einem Meer von Anzeigen ersäuft. Hunderte solcher ganzseitiger TIWAG-Flecken in so gut wie allen Zeitungen (vom Osttiroler Boten bis zum Landecker Gemeindeblatt und von der Tiroler Bauernzeitung bis zu Tirols Wirtschaft) haben jeden Aufmuckser im Land erdrückt. Eine nach den Bedürfnissen der hier lebenden Menschen ausgerichtete Energie-Politik bedürfte solcher Methoden nicht. Aber die hierzulande betriebene könnte ohne das Zahlen dieser Gelder an die Verlautbarungspresse nicht bestehen.
Die Medien sind eine feste Stütze des Systems. Nehmen wir eine kleine Zeitung wie den Osttiroler Boten. Oder den Blickpunkt aus Telfs. Mit den zig Anzeigenseiten der TIWAG im Blickpunkt sind mehr als diese zig Anzeigenseiten bezahlt. Ganz gewiß gehn sich um das viele Geld, das da von Innsbruck stromaufwärts geschickt wird, Berichte wie "Im Rahmen einer vorweihnachtlichen Feierstunde ehrte die Tiroler Wasserkraftwerke AG langjährige Mitarbeiter" mit 12 Fotos (31.12.91) locker aus. Daß sie, wie alle anderen Zeitungen, jeden Furz, den ihnen die TIWAG faxt, weiterfurzt, versteht sich da von selbst. Das Geld bestimmt aber nicht nur, was erscheint, sondern, und das ist das noch viel wichtigere, was nicht erscheint. Oswald Perktold, der Redakteur des Landecker Gemeindeblattes, das ebenfalls dem Blickpunkt-Besitzer gehört, wollte aus dem FÖHN-Heft über die "Stromkolonie Österreich" auszugsweise nachdrucken, jedoch "wurde dies vom Herausgeber unterbunden". "Als ich aus diesem Grunde", schreibt Perktold in seiner Dokumentation "Schreiben im Oberland" (1988), "mit ihm Rücksprache pflog, sagte er sehr erregt: 'Dem gehört Schreibverbot!' Man stelle sich vor: Schreibverbot für einen Tiroler Schriftsteller im Jahre 1988, gefordert von einem freien Tiroler Unternehmer zum Schutze eines Staatsbetriebes!" (Schreiben im Oberland, S. 107) Ein Einzelfall? Eine kurze Besprechung des FÖHN-Heftes über die Geschäfte der E-Wirtschaft, von einem anderen Mitarbeiter verfaßt, schmeißt der Herausgeber und Eigentümer des Blattes, Walser, persönlich vor Drucklegung aus der Zeitung. Als Perktold ein anderesmal der Kraftwerksbau-Propaganda einer TIWAG-bediensteten Nationalratsabgeordneten etwas entgegensetzen will, wird ihm von der Besitzerseite mitgeteilt, "man habe mit der Landeselektrizitätsgesellschaft erst jüngst Schwierigkeiten gehabt und müsse befürchten, daß diese Gesellschaft einen größeren Auftrag an Walsers Firma storniere, wenn sie im Zusammenhang mit solchen Artikeln genannt werde." (Schreiben im Oberland, S. 32) Die dem entlassenen Redakteur Perktold nachfolgende Redakteurin des Gemeindeblattes begründete, wie Perktold in seiner kulturpolitischen Zeitschrift Salt einmal berichtet hat, "den Umstand, daß sie über das Urteil im Prozeß TIWAG gegen Markus Wilhelm nichts bringe, damit, daß die TIWAG beim Herausgeber tabu, weil eine gute Kundin sei". (Salt 7, April 1990)
War das, was im FÖHN zu lesen stand, für Hunderttausende von TIWAG-Kunden geschrieben, so ist das, was in dieser regionalen Gefolgspresse steht, für Hunderttausender von TIWAG-Konten geschrieben. Man muß sich vorstellen, wieviel Tiroler Wirklichkeit (von den wehrhaften Frauen im Paznauntal, die dort gegen den TIWAG-Speichersee kämpfen bis zu den Villgrater Bauern, die die TIWAG dort zu legen versucht hat) hinter diesen TIWAG-Vollseiten verschwindet! Daß irgendein TIWAG-Betonierer irgendwo unter seinesgleichen irgendwas wird, steht dafür in jedem Blatt – vom Kitzbüheler Anzeiger ("TIWAG-Chef Dr. Wolfgang Pircher Präsident der Talsperrenkommission", 13-7.91) bis zu den Kitzbüheler Nachrichten ("TIWAG-Vorstand Dr. Pircher – Präsident der Intern. Talsperrenkommission", 6.7.91) Man kann hernehmen, welche Zeitung daß man will, auch Tirols Wirtschaft, die eine ganze Serie von TIWAG-Annoncen schmückt, gibt die verlogenen TIWAG-Aussendungen 1:1 wieder, auch die Tiroler Bauernzeitung, die sich vor TIWAG-Einschaltungen fast nicht zu erwehren scheint, betet dem Vorbeter das Vorgebetete nach bis zum Amen.

Wenn einer, weil er's nothat, sich einen akademischen Titel anmaßt, den er nicht hat, so ist das strafbar. Wenn sich eine Zeitung, weil sie's nothat, den Titel "unabhängig" (TT), oder "unabhängig" (Sonntagspost) oder "unabhängig" (Haller Lokalanzeiger) anmaßt, was sie nicht ist, so macht das gar nichts.

Die extreme Erhöhung des Preises für den TIWAG-Strom um über 16 Prozent innerhalb eines Jahres leuchtet unbedingt ein, wenn man dies alles ansieht. Die TIWAG hat, ganz offiziell, seit Beginn ihrer PR-Kampagne vor zwei Jahren mit 22 halbseitigen Einschaltungen in Wochenendausgaben (a 56.416.-) und 20 halbseitigen Einschaltungen unter der Woche (a 47.472.-) etwas mehr als zwei Millionen Schillinge in die Tiroler Tageszeitung hineingebuttert - mögliche Aufpreise für Plazierungswünsche nicht dazu- und möglichen Mengenrabatt nicht abgerechnet. Das heißt, die TT-Leser, und das sind fast fünfzig Prozent aller Tirolerinnen und Tiroler vom Brutkastenbaby bis zum endgelagerten Greis im Altersheim, haben inzwischen eine ganze TT-Ausgabe voll nur mit TIWAG-Anzeigen gekauft. Und die TIWAG-Kunden, und das sind fast alle Tirolerinnen und Tiroler, haben inzwischen eine ganze TT voll TIWAG-Anzeigen bezahlt. Die TT-lesenden TIWAG-Kunden haben den Betrug an ihnen somit auch noch gleich doppelt bezahlt.

Beim Mühlespiel nennt man soetwas eine Doppelmühle. Hier sagen manche Spaßvögel Meinungsfreiheit dazu.

Die Beilagen, die die TIWAG bei der TT zu Eröffnungen von Kleinkraftwerken kauft, zählen wir hier nicht mit. Auch über die Mitfinanzierung der turnusmäßigen TT-Sonderteile "Energie und Umwelt" durch die TIWAG reden wir jetzt nicht. Daß nichts in der Zeitung steht, was unseren Interessen entspricht, oder was uns gar helfen könnte, in diesen Drohnenbau hineinzufahren, dafür ist jedenfalls vorgesorgt. In der Tiroler Tageszeitung vom 19. Dezember 1990 finden sich auf der Seite neben dem großen nichtsagenden TIWAG-Inserat drei Gratis-Artikel über den TIWAG-Konzern. Entrüstung darüber ist hier weniger am Platze als die Zurkenntnisnahme des Schemas. In der TT vom 29.2.92 gibts im Anzeigenteil eine TIWAG-Werbung und auf der Wirtschaftseite eine unter dem Artikel-Titel: "Innkraftwerk ist umweltfreundlich".
So funktioniert das.
 

Ein Zwischenfall

Anfang 1991 trat kurzfristig eine kleine Störung ein, etwas, was auch zwischen innigst kooperierenden Unternehmen immer wieder einmal passiert. Es begab sich, daß die Interessen der TT-Herren mit den Interessen der TIWAG-Herren nicht mehr ganz in Einklang gebracht werden konnten. Es ging um Geld, und darum, wer von wem wieviel bekommt, und wer wem wieviel abgeben muß.
Das ganze wuchs sich zu einer regelrechten Machtprobe aus: Die TT grub einen (in informierten Kreisen seit Wochen bekannten) Rechnungshof-Bericht über die TIWAG aus und begann entgegen allen Gepflogenheiten, ausführlich daraus zu zitieren (19.2., 20.2., 21.2. und 23.2.91). Die TIWAG stellte auf der Stelle alle Einschaltungen in der TT ein und gab dem Kurier (der über den heftigen Rechnungshofbericht kein einziges Wörtchen verloren hat) doppelt soviele wie bisher.
Für die von der TT dummgehaltenen TIWAG-Kunden schaute so ganz und gar zufällig eine Messerspitze Wahrheit heraus, weil sich die beiden über die Aufteilung des Zasters ins Haar geraten waren. Wenn man sich vorstellt, welche Register die TT noch ziehen könnte, indem sie zitzerlweis' ihr Wissen öffentlich machen könnte, dann ahnt man, wie teuer ihr Schweigen ist. TT und TIWAG aber haben sich sehr bald auf unsere Kosten geeinigt, und es läuft zwischen den beiden wieder wie geschmiert: Die TIWAG blecht wie gewohnt und die TT verlautbart wieder wie gewollt.
 

Es ist noch in keiner Zeitung gestanden, daß das Kommando fur das Einschalten und Ausschalten des Kaunertalkaftwerkes von Brauweiler bei Köln aus gegeben wird. Warum nicht? Warum steht nirgends, daß das größte TIWAG-Kraftwerk, das Werk Sellrain-Silz gar nicht am Tiroler Netz hängt, sondern nur an den Drahten nach Bayern und Schwaben? Warum geht kein Journalist dem Geldstrom nach, der von der TIWAG zur Tiroler ÖVP fließt, und der auch die Staatsanwaltschaft hat tatig werden lassen? Warum, ja, warum? Warum findet die Wirklichkeit nicht in die Zeitung?
 
 
 
 
 
 
 
 

Diese Geschichte, liebe Leserin, lieber Leser, hat keinen anderen Schluß als den, den du aus ihr ziehst. Die Verhältnisse, die in diesem Heft geschildert wurden, haben dann ein Ende, wenn wir ihnen eines bereitet haben werden.